Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.990

Substanzkonsum im sexuellen Kontext (S35)

Chemsex und psychische Gesundheit bei Männern, die Sex mit Männern haben

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Annette Bohn  (LVR-Universitätsklinik Essen, Essen), Dirk Sander (Deutsche Aidshilfe e. V., Berlin), Norbert Scherbaum (LVR-Universitätsklinik Essen, Essen), Daniel Deimel (Katholische Hochschule NRW, Aachen), Henrike Schecke (LVR-Universitätsklinik Essen, Essen)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Als „Chemsex“ wird der Konsum von Substanzen im direkten Kontext sexueller Aktivität verstanden, um sexuelle Erfahrungen zu ermöglichen oder zu intensivieren. Als Phänomen wird „Chemsex“ hauptsächlich mit Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) in Verbindung gebracht. Typische Substanzen sind Methamphetamine, Mephedron, GHB/GBL und Ketamin. Es gibt Hinweise auf eine erhöhte Prävalenz von HIV, Hepatitis C und andere sexuell übertragbare Erkrankungen, bei MSM, die „Chemsex“ praktizieren. Weniger Evidenz gibt zu Aspekten psychischer Gesundheit. Ziel der Studie war die Beschreibung von Aspekten psychischer Gesundheit und die Identifikation negativer psychosozialer Folgen des Substanzkonsums im sexuellen Kontext.


Methoden
Die Analyse umfasst eine Teilmenge der Teilnehmer* des „German Chemsex Survey“, einer aus der MSM-Community rekrutierten Online-Studie. Die Umfrage umfasste 420 Items zu Substanzkonsum, Substanzkonsum im sexuellen Kontext, psychischer Gesundheit, sexuell übertragbaren Infektionen, negativen psychosozialen Folgen von „Chemsex“ sowie Erfahrungen mit nicht-konsensuellen sexuellen Handlungen. Eine Stichprobe von Teilnehmern (N=280), die in den letzten 12 Monaten „Chemsex“ praktiziert hatten, wurde mit Männern verglichen, die keine Substanzen im sexuellen Kontext konsumiert hatten (n=177). Mittels logistischer Regression wurde geprüft, ob negative gesundheitliche Folgen durch Chemsex durch psychische Probleme vorhergesagt werden können.


Ergebnisse
Insgesamt nahmen 1583 Männer teil; 1050 Teilnehmer machten Angaben zum Substanzkonsum. Siebenundzwanzig Prozent der Teilnehmer (n=280) gaben an, in den letzten 12 Monaten Methamphetamin, Mephedron, GHB/GBL und/oder Ketamin im sexuellen Kontext konsumiert zu haben. Die Chemsex-Gruppe wies signifikant höhere Werte für Depression, Angst und Somatisierung auf als die Nicht-Chemsex-Gruppe. Die Chemsex-Gruppe berichtete signifikant häufiger von nicht-konsensuellen sexuelle Handlungen.


Diskussion und Schlussfolgerung
Depression, Angst und Somatisierung waren in der Chemsex-Gruppe signifikant ausgeprägter als bei Personen, die keine Chemsex- Erfahrung hatten, jedoch bei geringen Effektstärken. Beide Gruppen berichteten über eine schlechtere psychische Gesundheit im Vergleich zu Männern der deutschen Allgemeinbevölkerung. Depressivität, Angst und Somatisierung trugen nicht zur Vorhersage potenziell negativer Folgen des Chemsex-Verhaltens bei.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Bohn , A. ., Sander, D., Scherbaum, N., Deimel, D., & Schecke, H. (2023). Chemsex und psychische Gesundheit bei Männern, die Sex mit Männern haben . Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.990