Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.968

Cannabiskonsum junger Menschen: Verbreitung und Präventionsansätze (S29)

Cannabisprävention im Setting Schule: Erste Ergebnisse zweier Interventionsstudien

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Barbara Isensee (IFT-Nord Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, Kiel), Vivien Suchert (IFT-Nord Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, Kiel), Reiner Hanewinkel (IFT-Nord Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, Kiel)

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Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Etwa jede:r zehnte Jugendliche in Deutschland verfügt über Erfahrungen mit Cannabis. Auf Grund der Risiken, die insbesondere für Jugendliche mit dem Konsum verbunden sind, besteht ein Bedarf an effektiven Präventionsmaßnahmen. In zwei Studien wurden die schulbasierten Maßnahmen zur Cannabisprävention „Der grüne Koffer“ (Studie 1) sowie "Cannabis - quo vadis?" (Studie 2) hinsichtlich der Wirksamkeit auf cannabisbezogenes Wissen, Einstellungen und Verhalten untersucht.


Methoden
Cluster-randomisierte Warte-Kontrollgruppenstudien mit zwei Untersuchungsarmen (Teilnahme vs. keine Teilnahme) und zwei Messzeitpunkten (vor und 4-6 Monate nach Intervention). Befragungen mittels Fragebogen (Papier- oder Onlineversion nach Wunsch der Schule). Stichprobe Studie 1: zu MZP1 288 Klassen mit 4.926 Schüler:innen, M(Alter)=14,02, 49,5% weiblich, zuzuordnende Daten aus MZP1+2 von 3.976 Schüler:innen. Stichprobe Studie 2: zu MZP1 265 Klassen mit 3.595 Schüler:innen, M(Alter)=14,18, 50,2% weiblich, zuzuordnende Daten aus MZP1+2 von 2.669 Schüler:innen. Bei Studie 2 ist ein noch nicht abgeschlossener MZP3 vorgesehen, daher sind die berichteten Ergebnisse vorläufig.


Ergebnisse
Das cannabisbezogene Wissen stieg in beiden Studien in der Interventionsgruppe signifikant stärker an als in der Kontrollgruppe. In Studie 2 zeigte sich eine deutlichere Zunahme angenommener negativer Folgen des Cannabiskonsums in der Interventionsgruppe. Darüber hinaus änderten sich die Einstellungen zum Cannabiskonsum in beiden Studien kaum. In Studie 1 begannen in den 8. Klassen der Interventionsgruppe im Beobachtungszeitraum signifikant weniger Jugendliche mit dem Cannabiskonsum als in der Kontrollgruppe (in 9. Klassen kein Gruppenunterschied nachweisbar). In Studie 2 ergab sich ein signifikanter Interventionseffekt auf den aktuellen Konsum, nicht jedoch auf den Einstieg in den Konsum.


Diskussion und Schlussfolgerung
Es ergaben sich Hinweise auf eine Wirksamkeit der Interventionen auf den Wissensstand. Ein präventiver Effekt auf das Konsumverhalten ließ sich für die 8. Klassenstufe bzw. den aktuellen Konsum zeigen, Auswirkungen auf die Einstellungen zu Cannabis waren kaum zu belegen. Vor dem Hintergrund der bisherigen Studienlage, die keine Wirknachweise schulbasierter Cannabisprävention ab der mittleren Adoleszenz erbringen konnte, sind die Ergebnisse als ermutigend einzustufen.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.


Erklärung zur Finanzierung: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Isensee, B., Suchert, V., & Hanewinkel, R. (2023). Cannabisprävention im Setting Schule: Erste Ergebnisse zweier Interventionsstudien. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.968
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