Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.955

Wichtige Zielgruppe: die Angehörigen (S26)

Belastungsfaktoren und Resilienzen bei suchtbelasteten Angehörigen in der Allgemeinbevölkerung: Die Rolle von Beziehungsstatus und Abhängigkeitsform

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Gallus Bischof (Universität zu Lübeck, Lübeck), Anja Bischof (Universität zu Lübeck, Lübeck), Hans-Jürgen Rumpf (Universität zu Lübeck, Lübeck)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Studien zeigen konsistent, dass Suchterkrankungen mit gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen auf das soziale Umfeld verbunden sind. Mehrheitlich basieren entsprechende Studien jedoch auf hochselegierten Stichproben und systematische Vergleiche zwischen Angehörigengruppen auf Basis repräsentativer Stichproben fehlen bislang. Die vorliegende Studie überprüft differentielle Effekte auf Belastungen Angehöriger in Abhängigkeit von Abhängigkeitsart und Beziehungsstatus.


Methoden
In der repräsentativen Bevölkerungsstudie GEDA (N=24.824) gaben 13,7% der Befragten an, einen Angehörigen mit Suchterkrankung (außer Tabak) zu haben. Mittels standardisierter Fragebögen wurden soziodemographische Faktoren, Art der Suchtproblematik, Depression, Gesundheitszustand und Resilienzen (soziale Unterstützung, Kohärenzsinn, Selbstwirksamkeitserwartung), eigener Alkohol- und Tabakkonsum sowie die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen erhoben. Die Angehörigen wurden nach Beziehungsart (Partner:innen (n=504), Eltern (n=320), Kinder (n=944), Geschwister (n=525), Sonstige (n=1107) und nach Art der Abhängigkeit (singuläre Alkoholabhängigkeit (n=2231), singuläre andere Abhängigkeitsform (n=497), multiple Abhängigkeitsproblematik (n=650)) miteinander verglichen.


Ergebnisse
Besonders hohe Belastungen und geringere Ressourcen wurden bei Partner:innen und in etwas geringerem Maße bei Eltern und Geschwistern identifiziert. Angehörige von Menschen mit multiplen Abhängigkeitsformen berichteten ebenfalls über erhöhte Belastungen, verringerte Ressourcen und zusätzlich über ein riskanteres eigenes Gesundheitsverhalten bezüglich Tabak- und Alkoholkonsum.


Diskussion und Schlussfolgerung
Belastungen bei Angehörigen von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen differieren in Abhängigkeit von Art der Abhängigkeit und der Beziehungsform. Die hohe Belastung bei Partner:innen und Eltern ist konsistent mit der Anzahl hilfesuchender Angehöriger in Deutschland. Unerwartet hohe Belastungen ergaben sich zudem bei Geschwistern von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen. Die Zahlen deuten auf einen gravierenden Public Health Impact von Abhängigkeitserkrankungen im sozialen Nahraum hin.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.


Erklärung zur Finanzierung: BMG

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Bischof, G., Bischof, A., & Rumpf, H.-J. (2023). Belastungsfaktoren und Resilienzen bei suchtbelasteten Angehörigen in der Allgemeinbevölkerung: Die Rolle von Beziehungsstatus und Abhängigkeitsform. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.955