Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.944

Glücksspielsuchtprävention: Die Spieler:innensperre als zentrale Maßnahme des Spieler:innenschutzes vor und nach Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (S23)

Game Over? Deskriptive Analyse der Sperren im Online-Glücksspiel

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Vadim Dr. Kufenko (Universität Hohenheim, Stuttgart), Steffen Dr. Otterbach (Universität Hohenheim, Stuttgart)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Sowohl im stationären Bereich als auch beim Online-Glücksspiel stellen Spielersperren ein wichtiges Instrument für den Spieler:innenschutz dar. Selbstsperren können von den Spieler:innen initiiert werden, während Fremdsperren von den Anbietern oder von Dritten (bspw. Familienangehörigen) auf Antrag verhängt werden. Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 müssen Anbieter von Online-Glücksspiel ein „auf Algorithmen basierendes System zur Früherkennung von problematischem Spielverhalten und Glücksspielsucht“ (§6 GlüStV) einsetzen. Diese Systeme müssen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und es müssen ggf. Maßnahmen bis hin zur Spielersperre ergriffen werden, um problematisches Spielverhalten und pathologisches Glücksspiel zu vermeiden. In dieser Studie wird untersucht, in welchem Zusammenhang das Spielverhalten mit Sperrereignissen steht. Was sind die wichtigsten Determinanten der Sperrereignisse? Wie sind die Sperren nach Anbieter, Art und Zeit verteilt?


Methoden
Anonymisierte Daten aus Schleswig-Holstein, die zwischen Januar 2020 und Dezember 2022 protokolliert wurden und das Spielverhalten beim virtuellen Automatenspiel abbilden, bilden die Grundlage für eine anbieterübergreifende Analyse über einen längeren Zeitraum. Neben einer deskriptiven Analyse der Verteilung der Sperrereignisse erfolgt eine Analyse unter Verwendung von extrem randomisierten Entscheidungsbäumen zur Identifizierung der wichtigsten Faktoren, die zu einer Auslösung der Spielersperre führen.


Ergebnisse
Die Verteilung der Sperren in Bezug auf Anzahl, Art und Zeit ist heterogen und zeigt große anbieterbezogene Unterschiede. Während sich Selbstsperren durch Risikofaktoren wie erhöhte Einsätze, Einzahlungen und Spielzeit vergleichsweise gut und wie in der Literatur beschrieben erklären lassen, ist dies für Fremdsperren nicht der Fall. Die Fremdsperre scheint einer unterschiedlichen Logik zu folgen, die mit den Modellen weniger gut zu erklären ist.


Diskussion und Schlussfolgerung
Aufgrund der Anonymisierung fehlende soziodemographische Merkmale und Informationen, nach welchen Kriterien anbieterseitig Sperren verhängt werden, erschweren die empirische Analyse. Eine Empfehlung lautet daher, die algorithmenbasierten Früherkennungssysteme sowie die Kriterien, die eine Spielersperre auslösen, einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen. Ggf. sind Anpassungen vorzunehmen, um eine zuverlässige Früherkennung gewährleisten zu können.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.


Erklärung zur Finanzierung: Universität Hohenheim

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Dr. Kufenko, V., & Dr. Otterbach, S. (2023). Game Over? Deskriptive Analyse der Sperren im Online-Glücksspiel. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.944