Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.866

Corona und die Folgen – Auswirkungen auf das Suchtverhalten und Lehren für die Zukunft (S02)

Chancen und Risiken einer Digitalisierung der Suchtprävention – Lehren aus der Covid-19-Pandemie

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Veronika Möller (Institut für Interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg), Britta Jacobsen (Institut für Interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), Hamburg)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die Covid-19-Pandemie führte zu weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens und infolge dessen auch zu erheblichen Defiziten in der Versorgung mit suchtpräventiven Angeboten. Darüber hinaus bestand die Annahme, dass sich in solch krisenhaften Zeiten Suchtprobleme verschärfen können. Hierdurch wurde die hohe Relevanz von Suchthilfe, -arbeit und -prävention deutlich, welche zugleich in dieser Zeit einer besonderen Herausforderung gegenüberstand: der rasanten und dringend notwendigen Digitalisierung ihrer Arbeit. Damit stellt sich zugleich die Frage, wie Suchtprävention in Zeiten der Covid-19-Pandemie umgesetzt worden ist, welche Kompetenzen zur Durchführung digitaler Suchtprävention vorliegen und welcher Weiterbildungsbedarf bei Fachkräften und Multiplikator:innen besteht.


Methoden
Die Studie „Auswirkungen von Covid-19 auf die Suchtprävention in Deutschland – Chancen und Risiken einer stärkeren Digitalisierung“ wurde von Februar bis Dezember 2021 durchgeführt. Neben der Durchführung von 49 qualitativen Interviews mit Lehrkräften und Mitarbeiter:innen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wurden neun Fokusgruppen mit Jugendlichen bzw. Eltern geführt. Zudem erfolgte eine bundesweite quantitative Online-Befragung von in der Suchtprävention arbeitenden Personen (n=1.267).


Ergebnisse
Der erschwerte Zugang zu Zielgruppen, Überforderung aber auch fehlende zeitliche und finanzielle Ressourcen waren nur einige der zu bewältigenden Herausforderungen. Neben einem Mangel an hilfreichen digitalen Angeboten, sowie mangelndem Wissen über bestehende Angebote, zeigte sich auch ein großer Fortbildungsbedarf insb. mit Blick auf digitale Methodenkenntnisse von suchtpräventiven Fachkräften und Multiplikator:innen.


Diskussion und Schlussfolgerung
Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Zeit der Covid-19-Pandemie bilden eine wichtige Grundlage zur Reflexion bestehender Arbeitsprozesse sowie für eine Weiterentwicklung in Bereichen, die sich als besonders problematisch herausgestellt haben. Neben erforderlichen Weiterbildungsmaßnahmen sind auch Entwicklungsprojekte zur (teilweisen) Digitalisierung analoger Angebote der Suchtprävention erforderlich und müssen zugleich auf ihre Angemessenheit, insb. mit Blick auf die zu erreichenden Zielgruppen, überprüft werden.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Ich und die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.


Erklärung zur Finanzierung: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Möller, V., & Jacobsen, B. (2023). Chancen und Risiken einer Digitalisierung der Suchtprävention – Lehren aus der Covid-19-Pandemie. Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.866