Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Das Verlangen nach Heroin: Eine Expositionsstudie in einem virtuellen Realitätssetting

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Jessica Schäfer (ZI Mannheim)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die Studie untersucht, ob virtuelle Realität (VR) bei Menschen in Substitutionsbehandlung gezielt Suchtdruck (Craving) auslösen kann. Dafür wurden 37 Patient:innen zufällig einer VR- oder einer Vergleichsgruppe zugeteilt. Nach der VR-Exposition stieg das Craving in der VR-Gruppe deutlich an und war stärker als in der Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse zeigen, dass VR geeignet sein könnte, Craving realitätsnah auszulösen und damit künftig für Expositionsübungen in der Behandlung einzusetzen. Aufgrund der kleinen Stichprobe sind die Ergebnisse noch vorläufig.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die neurobiologischen Mechanismen, die Craving auslösen, gefährden bei Patient:innen in Substitutionsbehandlung die Aufrechterhaltung der Abstinenz. Expositionstherapie könnte den Umgang mit Craving im Alltag trainieren, doch der Einsatz von Heroin ist in-vivo aus rechtlichen und ethischen Gründen nicht umsetzbar. Da Virtuelle-Realitäts-Technologie (VR) bereits bei anderen Abhängigkeitserkrankungen als Expositionsform eingesetzt wird, untersucht die vorliegende Studie, ob ein VR-Setting Craving bei Patient:innen auslösen kann.

Methoden
Untersucht wird, inwiefern die Technologie für Expositionsübungen bei der Behandlung von Patient:innen in Substitutionsbehandlung einsetzbar ist.

Ergebnisse
Es wurde angenommen, dass beide Gruppen nach der Exposition ein signifikant höheres Craving auf der Visuellen Analogskala (VAS) zeigen als zuvor, und dass sich das berichtete Craving während der Exposition zwischen den Gruppen signifikant unterscheidet. 37 Proband:innen wurden in der Substitutionsambulanz am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim rekrutiert und randomisiert in zwei Gruppen (VR und In-vivo-Kontrollgruppe) eingeteilt. Da die Normalverteilung verletzt war, wurden H1 und H2 nichtparametrisch untersucht. H1 wurde einseitig mittels Wilcoxon-Vorzeichen-Test (Bonferroni-korrigiert, ? = .025) analysiert und ergab nur einen signifikanten Anstieg in der VR-Gruppe. H2 wurde untersucht mittels zweiseitigen Mann-Whitney-U-Test und zeigt einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen, wobei VR ein stärkeres Craving berichtet wurde als invivo.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse sprechen für die ökologische Validität der VR-Simulation und zeigen, dass die Technologie Craving bei Patient:innen in Substitutionsbehandlung auslösen kann, was eine Voraussetzung für erfolgreiche Expositionstherapie darstellt. Aufgrund der geringen Stichprobengröße sind die Befunde vorläufig. Zukünftige Studien mit größeren, heterogeneren Stichproben sind nötig, um die Wirksamkeit und klinische Anwendbarkeit von VR-Expositionsübungen bei Heroinabhängigkeit zu bestätigen.

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Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Schäfer, J. (2026). Das Verlangen nach Heroin: Eine Expositionsstudie in einem virtuellen Realitätssetting. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3157