Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Risikofaktoren sexuellen Kindesmissbrauchsverhaltens in einer Darknet Stichprobe: Eine Analyse von Hands-off- und Hands-on-Delikten

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Saida Städtler (Unimedizin Mainz)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die Studie untersucht, welche psychologischen Faktoren mit sexuellem Kindesmissbrauchsverhalten zusammenhängen. Dafür wurden Daten von 2.117 Nutzer*innen eines Darknet-Forums ausgewertet. Ein starkes sexuelles Interesse an Kindern und Jugendlichen war der wichtigste Faktor für alle untersuchten Verhaltensweisen. Sexuelles Verlangen, zwanghaftes Sexualverhalten und der Konsum entsprechender Pornografie spielten darüber hinaus nur bei einigen Verhaltensweisen eine zusätzliche Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass verschiedene Formen sexuellen Kindesmissbrauchsverhaltens unterschiedliche Risikofaktoren haben können.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Sexuelles Kindesmissbrauchsverhalten stellt trotz hoher Prävalenzen, insbesondere im Bereich des Konsums von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs (DSKM), weiterhin ein erhebliches Dunkelfeldphänomen dar. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zentrale psychologische Risikofaktoren unterschiedlicher Formen sexuellen Kindesmissbrauchsverhaltens in einer bislang wenig untersuchten, nicht-forensischen Risikostichprobe zu analysieren.

Methoden
Im Rahmen einer Sekundäranalyse der Daten einer Onlinebefragung von 2,117 Nutzer*innen eines Darknet-DSKM-Forums wurden pädohebephiles Interesse, Sex Drive, Symptome der zwanghaften Sexualverhaltensstörung (CSBD), sowie der Konsum pornografischer Inhalte mit vermeintlich minderjährigen Darsteller*innen, einschließlich ihre Interaktionseffekte, theoriegeleitet als Prädiktoren von sechs Formen sexuellen Kindesmissbrauchsverhaltens untersucht

Ergebnisse
Die Ergebnisse der hierarchischen logistischen Regressionsanalysen zeigten verhaltensspezifische Unterschiede in der Vorhersagegüte, wobei Missbrauchsverhaltensweisen im digitalen Raum, insbesondere der Konsum von DSKM, insgesamt besser vorhergesagt wurden als sexueller Kontakt mit einem Kind. Pädohebephiles Interesse erwies sich konsistent als zentraler Prädiktor aller untersuchten Missbrauchsverhaltensformen. Demgegenüber zeigten Sex Drive, zwanghafte Sexualität sowie der Konsum entsprechender Pornografieinhalte – einschließlich der Interaktionen – über das pädohebephile Interesse hinaus nur für einzelne Missbrauchsverhaltensweisen und Prädiktoren kleine inkrementelle Effekte, während überwiegend keine signifikanten Zusammenhänge beobachtet wurden.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit, sexuelles Kindesmissbrauchsverhalten nicht als homogenes Phänomen zu betrachten, sondern entsprechende Risikofaktoren verhaltens- und populationsspezifisch zu untersuchen, und liefern wichtige Implikationen für zukünftige Forschung, die Weiterentwicklung theoretischer Modelle sowie für Risikoprognose, Prävention und Intervention.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Städtler, S. (2026). Risikofaktoren sexuellen Kindesmissbrauchsverhaltens in einer Darknet Stichprobe: Eine Analyse von Hands-off- und Hands-on-Delikten. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3156