Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die Ordnung vor dem Übergriff. Weibliche Verfügbarkeit in der offenen Drogenszene
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Studie untersucht, wie Frauen in der offenen Drogenszene als „verfügbare Körper“ wahrgenommen und behandelt werden. Dafür wurden Beobachtungen aus einem Kontaktladen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen eine Geschlechterordnung, in der weibliche Körper selbstverständlich für andere verfügbar sein sollen. Setzen Frauen Grenzen oder nutzen ihren Körper für eigene Bedürfnisse, kann diese Ordnung gewaltförmig wiederhergestellt werden. Damit wird Substanzkonsum auch als selbstbestimmte Nutzung des eigenen Körpers sichtbar.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Forschung zu drogenkonsumierenden Frauen verhandelt deren Erfahrungen und Strategien zwischen den Polen der Viktimisierung und Handlungsfähigkeit. Die Ordnung, innerhalb derer sie handeln, bleibt meist außen vor.
Methoden
Wie werden Frauen in der offenen Drogenszene als verfügbare Körper konstituiert, und welche Rolle spielt dabei die Geschlechterordnung als atheoretisch-praktische Struktur? Grundlage ist eine teilnehmende Beobachtung im Umfeld eines Kontaktladens akzeptierender Drogenarbeit (zwölf Feldaufenthalte). Fünf Beobachtungsprotokolle (92 Sequenzen) wurden rekonstruktiv entlang der dokumentarischen Methode ausgewertet; die Typenbildung entwickelte drei Typiken und zwei querliegende Modalitäten. Anschließend wurde der rekonstruierte Begriff der Verfügbarkeit entlang feministischer und feldspezifischer Theorien konturiert.
Ergebnisse
Rekonstruiert wurde eine gestaffelte Ordnung der Verfügbarkeit: vom körperlichen Zugriff über die funktionale Inanspruchnahme weiblicher Anwesenheit bis hinein in die Art, wie über Frauen gesprochen und wie weibliche Bedürfnisse begründet werden. Diese Ordnung hat eine Richtung. Der weibliche Körperleib steht darin selbstverständlich für andere bereit; beanspruchen Frauen ihn für sich selbst oder setzen Grenzen, wird die Ordnung gewaltförmig wiederhergestellt. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Substanzkonsum von Frauen selbst als ein solcher Gebrauch des eigenen Körperleibs und damit als Verstoß gegen die Richtung der Ordnung lesen. Kontrastfälle unter denselben Feldbedingungen zeigen, dass Vulnerabilität und Substanzbedarf allein diese Ordnung nicht auslösen.
Diskussion und Schlussfolgerung
Frauen werden nicht durch einzelne Übergriffe als verfügbar konstituiert, sondern durch eine Feldordnung, die den weiblichen Körperleib immer schon als für andere verfügbar voraussetzt. Sie wirkt geschlechtlich, ohne benannt werden zu müssen, und bleibt gerade dort stabil, wo sie selbstverständlich mitläuft.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.