Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Qualitative Analyse zum Umgang mit auftretendem Substanzkonsum bei bestehendem Abstinenzgebot durch Mitarbeitende der stationären Jugendsuchthilfe
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Das DELTA-JU-Gruppenprogramm unterstützt Jugendliche mit Substanzkonsumstörungen in der vollstationären Jugendhilfe. Um das Programm weiterzuentwickeln, wurden zehn Mitarbeitende zu ihrem Umgang mit Substanzkonsum und den Bedürfnissen der Jugendlichen befragt. Die Ergebnisse zeigen einen Bedarf, Suchtdruck und dessen Hintergründe sowie den Umgang damit stärker zu thematisieren. Zudem wurde die Unterstützung bei der Tabakentwöhnung als wichtiger Bestandteil in die Einzelgespräche des DELTA-JU-Manuals aufgenommen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die vollstationäre Jugendhilfe mit Fokus auf Substanzkonsumstörungen ist fester Bestandteil der Versorgungslandschaft in Deutschland. Je nach Einrichtung bestehen unterschiedliche Herangehensweisen mit Substanzkonsum bei dort wohnenden Jugendlichen umzugehen. Anknüpfend an bisherige Arbeiten sollen die subjektiven Perspektiven auf diesen Umgang herausgearbeitet werden, um Begründungsmuster, Problembereiche und Veränderungspotentiale herauszuarbeiten und diese im DELTA-JU [1] Gruppenprogramm für Jugendliche mit angeschlossener Betreuendenweiterbildung zu adressieren.
Methoden
Es wurden N=10 leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit Mitarbeitenden der vollstationären Jugendsuchthilfe durchgeführt, welche anschließend in einem mehrstufigen iterativen Prozess mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz [2] ausgewertet wurden. Dabei wurden 2 unabhängige Codierungen durchgeführt, welche zusammengeführt und kommunikativ validiert wurden.
Ergebnisse
Die Befragungen ergaben, dass in allen drei abgedeckten Einrichtungen Abstinenzgebote bestehen. Diese umfassen zum Zeitpunkt der Erhebung verbotene Substanzen nach Betäubungsmittelgesetz [3] inkl. Cannabis, sowie Alkohol. Bei der Durchsetzung werden Herangehensweisen berichtet, die Aspekte gemeinsam haben, wie etwa Drogentests oder die Absonderung aus dem Wohngruppenalltag nach Rückfall. Die Betreuenden äußerten einen Bedarf seitens der Jugendlichen an der Thematisierung von u.a. Strategien gegen Suchtdruck und dessen Hintergründe im Kontext einer Gruppentherapie. In allen Einrichtungen existierten Sonderregelungen bezogen auf Nikotin- und Koffeinkonsum. Von n=4 Befragten wurde berichtet, dass Sonderregeln Maßnahmen umfassen, welche die Compliance unterstützen sollen – bspw. Rauchverbot nach Totalverweigerung eines Gruppenangebots.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die mehrheitlich gegebenen Sonderregeln im Bezug auf Nikotinkonsum im Vergleich zum Konsum anderer Substanzen deuten darauf hin, dass bei den rauchenden Bewohnenden eine Tabakkonsumstörung vorliegt. Dementsprechend wurde für die Einzelsitzungen im DELTA-JU Manual der Aspekt „Unterstützung bei der Tabakentwöhnung“ verankert. Zudem ergaben sich Forschungsfragen für zukünftige Untersuchungen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: SKP, LAB, VR, YG sind Autor:innen des DELTA-Manuals und erhalten hierfür Autorenhonorare des verlegenden Verlags.
Erklärung zur Finanzierung: Sächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst (Fördernummer: 100362999), Roland-Ernst-Stiftung für Gesundheitswesen (Fördernummer: 6/21).