Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Auswirkung der Teillegalisierung von Cannabis auf die THC-Konzentration unter verdächtigen Verkehrsteilnehmenden

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Jakob Manthey (Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS))

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Im August 2024 wurde der THC-Grenzwert im Straßenverkehr von 1 auf 3,5 ng/ml angehoben. Die Studie untersucht anhand von Daten aus sechs Bundesländern, ob sich dadurch das Fahrverhalten verändert hat. Analysiert werden THC-Werte aus polizeilichen Verkehrskontrollen zwischen 2022 und 2025. Erste Ergebnisse zeigen Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die endgültigen Ergebnisse werden auf dem Kongress vorgestellt.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Im August 2024 wurde infolge der Teillegalisierung von Cannabis ein neuer Grenzwert von Tetrahydrocannabinol (THC) im Straßenverkehr eingeführt. Laut § 24a Abs. (1a) stellt das Führen eines Kraftfahrzeugs bei einer Konzentration von mind. 3,5 ng/ml (THC im Blutserum) eine Ordnungswidrigkeit dar. Zuvor galt ein analytischer Nachweisgrenzwert von 1 ng/ml. Für die Evaluation der Teillegalisierung ist es von Interesse, ob sich Veränderungen im Fahrverhalten in Reaktion auf diese Liberalisierung der Verkehrsregelung beobachten lassen.

Methoden
Es wurden Datensätze mit toxikologischen Informationen aus polizeilichen Straßenverkehrskontrollen aus sechs Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Saarland) zusammengetragen. In den Blutproben von verdächtigen Straßenverkehrsteilnehmer:innen wurde die Konzentration von THC und THC-COOH (Carbonsäure von THC) bestimmt. Während hohe Konzentrationen von THC auf einen kürzlichen Konsum hinweisen, stellen hohe Konzentrationen von THC-COOH einen Indikator für einen intensiven, chronischen Konsum dar. In Anlehnung an frühere Arbeiten in diesem Bereich wurde ein chronischer Konsum durch eine THC-COOH-Konzentration von mind. 150 ng/ml definiert.

Mithilfe von Zeitreihenanalysen wird untersucht, ob sich der Anteil von Blutproben, bei denen die THC-Konzentration über dem neuen Grenzwert liegt, im Zusammenhang mit der Teillegalisierung bzw. mit der Einführung des Grenzwertes verändert hat. Die Analysen werden außerdem nach chronischem Konsum stratifiziert, da eine Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit durch eine hohe THC-Konzentrationen insb. bei irregulären Konsumierenden zu befürchten ist.

Ergebnisse
Es liegen Datensätze zwischen April 2022 und Dezember 2025 vor. Vorläufige Auswertungen zeigen heterogene Muster zwischen den Bundesländern. Ausführliche Ergebnisse werden zum Kongress präsentiert.

Diskussion und Schlussfolgerung
Im Zusammenhang mit der Teillegalisierung von Cannabis haben sich u.a. die Regeln zum Führen eines Fahrzeugs unter Cannabiseinfluss verändert. Toxikologische Daten aus polizeilichen Verkehrskontrollen können dazu genutzt werden, um Auswirkungen der Gesetzesänderung auf die Verkehrssicherheit zu untersuchen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Jakob Manthey war oder ist beratend für die AOK, EUDA und WHO tätig und hat für Präsentationen im Zusammenhang mit Cannabis Aufwandsentschädigungen und Reisekostenerstattungen von verschiedenen Gesundheitsorganisationen erhalten. Es bestehen keine Verbindungen zur (Cannabis-)Industrie: keine Aktien, Patente, Beratungstätigkeiten oder ähnliches. Diese Arbeit ist im Rahmen des Verbundprojektes ‚Evaluation des Konsumcannabisgesetzes‘ (EKOCAN) entstanden, welches durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird (ZMII2-2525DSM21A).

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Manthey, J. (2026). Auswirkung der Teillegalisierung von Cannabis auf die THC-Konzentration unter verdächtigen Verkehrsteilnehmenden. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3151