Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Frühintervention bei weiblichen Betroffenen mit einer beginnenden Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung - Das Programm net_WORKOUT
Hauptsächlicher Artikelinhalt
Copyright (c) 2026 Deutscher Suchtkongress

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.
Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Befragungen in Deutschland zeigen, dass problematische oder suchtartige Nutzung sozialer Medien besonders unter Mädchen und Frauen verbreitet ist und hohen Leidensdruck verursachen kann. Viele Betroffene nutzen jedoch keine passenden Hilfsangebote, etwa aus Unkenntnis oder weil sie keinen Bezug zu einer Suchterkrankung sehen. Im Projekt IBSfemme*INTERV wurden daher Maßnahmen entwickelt, um Betroffene zu sensibilisieren. Dazu gehörten Bildkampagnen mit kurzen Botschaften und Verweisen auf eine Informationswebseite sowie das Unterstützungsprogramm „net_WORKOUT“. Beide Ansätze wurden erfolgreich auf Wirksamkeit und Anwendbarkeit geprüft und stehen Fachkräften aus Prävention und Beratung frei zur Verfügung.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung (SNNS) gilt mittlerweile als eine verbreitete Form unter den Internetnutzungsstörungen. Gerade epidemiologische Daten verdeutlichen, dass ein hoher Anteil von weiblichen Personen von SNNS betroffen ist, diese Personengruppe jedoch deutlich seltener im spezifischen Hilfesystem vorstellen [1].
Methoden
oder schon suchtartigen Nutzung von Sozialen Netzwerken für ebendiese Symptomatik zu schärfen, wurde mittels einer Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit das Projekt IBSfemme*INTERV umgesetzt. Hierzu wurden zunächst umfassende statistische Re-Analysen von Charakteristiken, Symptombelastungen und psychosozialen Hintergründen weiblicher Betroffener mit problematischer Nutzung oder SNNS durchgeführt. Ergänzt wurden diese Befunde über die Durchführung qualitativer Interviews zur Identifikation relevanter Variablen wie etwa Problemeinsicht, Veränderungsmotivation und individueller Leidensdruck sowie Fokusgruppen mit ehemaligen Betroffenen.
Ergebnisse
Ausgehend vom gesichteten Material wurden unter anderem zielgruppenspezifische Bildkampagnen entwickelt (z.B. „1000 Follower. 0 echte Freunde” oder “Screenlein, Screenlein in der Hand, wer ist die Schönste im virtuellen Land?”), welche über intensive visuelle Eindrücke eine Problemsensibilisierung Betroffener erreichen sollten und über einen beigefügten Link oder QR-Code auf eine ebenfalls entwickelte Hilfe-Website verwiesen. Ergänzend wurde das niederschwellige Kurzzeitprogramm „net_WORKOUT“ entwickelt und in einer Pilotstudie validiert, um Betroffenen in der Ambivalenzphase eine erste Stabilisierung zu ermöglichen und in weiterführende Hilfen zu vermitteln.
Diskussion und Schlussfolgerung
Mit den umfassenden im Projekt entwickelten Materialien und dem Kurzzeitprogramm „net_WORKOUT“ steht Fachpersonal aus Prävention, Frühintervention und klinischer Versorgung nun eine empirisch entwickelte und evaluierte Möglichkeit zur Verfügung, um die bisher unzureichend versorgte Gruppe weiblicher Betroffener mit Problematischer oder suchtartiger Nutzung von Sozialen Netzwerken Hilfen anzubieten.
[1] Scherer, L., Mader, L., Wölfling, K., Beutel, M.E., Dieris-Hirche, J. & Müller, K.W. (2021). Nicht diagnostizierte internetbezogene Störungen im psychotherapeutischen Versorgungssystem: Prävalenz und geschlechtsspezifische Besonderheiten. Psychiatrische Praxis, 48(08), 423-429
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.