Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Struktur einer offen geführten Station der stationären und teilstationären qualifizierten Entzugsbehandlung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Thomas Eichner (kbo Taufkirchen Vils), Bertram Schneeweiß (kbo Taufkirchen Vils), Andreas Hamel (kbo Taufkirchen Vils), Michaela Mergler (kbo Taufkirchen Vils)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die Struktur einer offen geführten Station der stationären und teilstationären qualifizierten Entzugsbehandlung  ist in der Versorgungrealität moderner Suchthilfe möglich. Dieses Setting trägt maßgeblich zum Behandlungserfolg und zur sozialen Reintegration der Patienten bei und ist aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Versorgungsrealität "best practice".

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die suchtmedizinische qualifizierte Entzugsbehandlung (SQE) stellt einen zentralen Bestandteil der akutpsychiatrischen Versorgung von Menschen mit substanzbezogenen Abhängigkeitserkrankungen dar. In der traditionellen klinischen Praxis erfolgt diese Behandlungsform überwiegend im geschützten Setting geschlossener psychiatrischer Stationen, um sowohl die medizinische Überwachung als auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten während der Entzugsphase sicherzustellen. Das vorliegende Stationskonzept unterscheidet sich hiervon durch die Implementierung eines durchgehend offen geführten Behandlungssettings. Dieses umfasst die stationäre sowie teilstationäre qualifizierte Entzugsbehandlung bei Abhängigkeitserkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol, Cannabis (THC), legalen Sedativa und Analgetika sowie bei Mehrfachabhängigkeiten. Darüber hinaus berücksichtigt das Konzept die hohe Prävalenz psychischer Komorbiditäten bei suchtkranken Patientinnen und Patienten. Insbesondere affektive Störungen, Angststörungen sowie psychosomatische Erkrankungen werden integrativ diagnostiziert und therapeutisch mitbehandelt.

Methoden
Vorgestellt wird das Stationskonzept einer regionalen Versorgungsklinik, quantitative Daten u.a. zu Liegedauern, Anzahl der nahtlos Verfahren, sowie qualitative Berichte aus der Perspektive des multiprofessionellen Teams (MPT) und klinische Erfahrungswerte.

Ergebnisse
Der offene stationspsychiatrische Ansatz zielt darauf ab, ein therapeutisches Milieu zu schaffen, das Autonomie, Eigenverantwortung, Selbsthilfe und Motivation zur Veränderung fördert, ohne dabei die notwendige medizinische und psychotherapeutische Versorgung einzuschränken. Die SQE im offenem Behandlungssetting mit tagklinischer Implementierung, Nahtlosverfahren der Anschlussbehandlung durch die früh beginnenden sozialpädagogische Beratung, pflegerische Bezugsgespräche, Teilnahme an Selbsthilfegruppen, Schulung des MPT in der Gesprächstechnik des Motivational- Interviewing und manualorientierte psychotherapeutisch geleitete Gruppensitzungen tragen einen wesentlichen Bestandteil zur Behandlungsadherence sowie das Behandlungsoutcome auf Patientenseite und subjektiven Mitarbeiterzufriedenheit bei

Diskussion und Schlussfolgerung
Die stationäre bzw. teilstationäre QE ist auf einer offen geführten Station als zentraler Bestandteil der multiprofessionellen und moderner Suchthilfe möglich. Damit verbindet das Konzept suchtmedizinische, psychiatrische und psychosoziale Behandlungsansätze in einem multiprofessionellen Versorgungskontext. Dieses Setting trägt maßgeblich zum Behandlungserfolg und zur sozialen Reintegration der Patienten bei und ist aus jahrzehntelanger Erfahrung in der Versorgungsrealität "best practice".

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Eichner, T., Schneeweiß, B., Hamel, A., & Mergler, M. (2026). Struktur einer offen geführten Station der stationären und teilstationären qualifizierten Entzugsbehandlung . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3080