Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Implementierung und Anwendung einer psychotherapeutischen Rückfallanalyse als Standard im multiprofessionellen Team während stationärer/ teilstationärer qualifizierten Entgiftungsbehandlung (SQE)
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die Implementierung einer standardisierten Rückfallanalyse vor und während der stationären und teilstationären qualifizierten Entzugsbehandlung
Entwicklung eines standardisierten Vorgehens zum Umgang mit Rückfällen während der Behandlung. Psychotherapeutisches Vorgehen im Versorgungsalltag (Rückfallanalyse, gruppentherapeutische Interaktion, ggf. Anpassung des Behandlungssettings, Motivationsarbeit, Rückfallprophylaxe) und Schilderung der Erfahrungen im multiprofessionellem Behandlungssetting. Das standardisierte Vorgehen wird sowohl auf Patient:innen-Seite als auch im MPT als nicht sanktionierend, leitliniengerecht, entlastend und strukturgebend wahrgenommen und kann daher maßgebend für zukünftige Behandlungsformen sein.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die suchtmedizinische qualifizierten Entgiftungsbehandlung (SQE) ist ein wichtiger Bestandteil der Versorgungspsychiatrie. Jedoch ist die Behandlung von einer hohen Abbruchrate geprägt in der Literatur finden sich wiederholt Angaben von ca. 43,3%[1] bei Alkoholentzügen. Unter anderem stellen hierbei Substanzrückfälle während der stationären und teilstationären SQE eine Herausforderung dar [2,3] und haben oft den Behandlungsabbruch als Folge. Gleichzeitig wird der offene und therapeutisch strukturierte Umgang mit Rückfällen zunehmend als zentraler Bestandteil moderner suchtmedizinischer Behandlungskonzepte verstanden. Ziel des Beitrages ist es die Entwicklung und Evaluation eines standardisierten Vorgehens zum Umgang mit Rückfällen während des SQE vorzustellen.
Methoden
Im Rahmen einer klinischen Stichprobe stationär behandelter Patient:innen wurde ein standardisiertes Interventionskonzept für das multiprofessionelle Team (MPT) entwickelt: u.a. Rückfallanalyse orientiert am SORKC-Schema, motivationsfördernde Bearbeitung des Rückfalles in der Gruppentherapie, Anpassung des individuellen Behandlungssettings. Zur Evaluation wurden standardisierte Fragebögen sowohl bei Patient:innen als auch im MPT eingesetzt. Die Datenerhebung beinhaltete qualitative und quantitative Parameter.
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Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen eine deutlich geringe Abbruchrate. Das standardisierte Vorgehen wurde sowohl von den rückfälligen Patient:innen als auch der Patient:innengruppe als unterstützend und therapeutisch sinnvoll bewertet. Insbesondere die strukturierte Rückfallanalyse innerhalb der gruppentherapeutischen Interaktion wurde als hilfreich für die Förderung von Krankheitseinsicht, Motivation und Rückfallprophylaxe erlebt. Darüber hinaus zeigte sich, dass ein transparenter und nicht sanktionierender Umgang mit Rückfällen die patientenorientierte sowie leitliniengerechte Behandlung im stationären Setting stärkt. Auch innerhalb des MPT wurde das Vorgehen als entlastend und strukturgebend wahrgenommen.
Diskussion und Schlussfolgerung
Zusammenfassend verdeutlichen die Ergebnisse die Relevanz eines standardisierten Umgangs mit Rückfällen psychotherapeutisch sowie im multiprofessionellen Team während des SQE. Insbesondere die gruppentherapeutische Bearbeitung der Rückfallanalysen scheint einen positiven Einfluss auf das therapeutische Milieu, die Behandlungsadhärenz sowie den weiteren Therapieverlauf zu haben. Das entwickelte Vorgehen kann somit als praxisnaher Beitrag zur Optimierung suchttherapeutischer Behandlungsprozesse verstanden werden, um vorzeitige Behandlungsabbrüche zu vermeiden.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Literatur:
[1] Andersson, H.W., Mosti, M.P. & Nordfjaern, T. Inpatients in substance use treatment with co-occurring psychiatric disorders: a prospective cohort study of characteristics and relapse predictors. BMC Psychiatry 23, 152 (2023). https://doi.org/10.1186/s12888-023-04632-z
[2] Tabugan, D. C., Bredicean, A. C., Anghel, T., Dumache, R., Muresan, C., Corsaro, L., & Hogea, L. (2025). Novel Insights into Addiction Management: A Meta-Analysis on Intervention for Relapse Prevention. Medicina, 61(4), 619. https://doi.org/10.3390/medicina61040619
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.