Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Alkoholabhängigkeit: Stigmatisierungspotenzial und Behandlungsbereitschaft bei Medizinstudierenden an zwei deutschen Universitäten

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Sven Speerforck (Universität Leipzig), Christian Sander (Universität Leipzig), Anya Leonhard (Universität Leipzig), Gallus Bischof (Universität Lübeck), Anja Bischof (Universität Lübeck), Hans-Jürgen Rumpf (Universität Lübeck), Georg Schomerus (Universität Leipzig)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Menschen mit Alkoholproblemen erleben häufig Vorurteile – auch in Arztpraxen und Kliniken. Solche Vorurteile zeigen sich oft schon bei Medizinstudierenden.


Wir haben einen kurzen Lehrkurs entwickelt, der Vorurteile gegenüber Menschen mit Alkoholproblemen abbauen soll. Über 800 Medizinstudierende aus Lübeck und Leipzig haben an der Studie teilgenommen.


In dieser Auswertung schauen wir uns zwei Dinge an: Erstens, wie die Studierenden zu Studienbeginn über Menschen mit Alkoholproblemen denken und fühlen. Zweitens, welche Studierenden besonders von dem Kurs profitieren – und welche eher weniger.


Wenn wir das wissen, können wir den Kurs in Zukunft so anpassen, dass er möglichst vielen Studierenden hilft – und damit am Ende auch den Menschen, die wegen Alkoholproblemen Hilfe suchen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Alkoholkonsumstörungen gelten als besonders stark stigmatisiert. Bereits Medizinstudierende zeigen entsprechende Einstellungen, obwohl sie eine zentrale Rolle in Früherkennung und Versorgung einnehmen. Entstigmatisierende Curricula können wirksam sein, doch ist bislang unklar, welche Studierenden besonders von solchen Interventionen profitieren.

Methoden
Im bizentrischen, sequenziell-kontrollierten Studiendesign (Lübeck, Leipzig) wurden Medizinstudierende im Blockpraktikum Psychiatrie befragt. Die Kontrollgruppe (N=420) erhielt die Standardlehre (Treatment as usual), die Interventionsgruppe (N=385) das neu entwickelte Curriculum (Baseline, 6-Monats-Follow-up). Berichtet werden Baseline-Charakteristika sowie regressionsanalytische Prädiktoren der Response unter Berücksichtigung soziodemographischer Variablen, der OMS-HC, der ERMIS, der Relatability-Skala sowie der Behandlungsbereitschaft.

Ergebnisse
Vorgestellt werden die Baseline-Charakteristika der Stichprobe einschließlich Soziodemographie, Vorerfahrungen mit Menschen mit Alkoholkonsumstörungen und der zentralen stigmabezogenen Maße. Ergänzend werden Analysen zur Vorhersage der Response (operationalisiert über klinisch bedeutsame Veränderungen in den Outcomes) berichtet. Geprüft wird, inwieweit emotionale Reaktionen (ERMIS), Nachvollziehbarkeit (Relatability), Behandlungsbereitschaft, OMS-HC-Baselinewerte und soziodemographische Merkmale eine bessere oder schlechtere Veränderbarkeit stigmatisierender Einstellungen vorhersagen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Analysen ermöglichen ein differenziertes Bild der Ausgangslage angehender Ärztinnen und Ärzte hinsichtlich stigmatisierender Einstellungen zu Alkoholkonsumstörungen und identifizieren potenzielle Moderatoren der Interventionswirkung. Die Befunde sollen Hinweise liefern, welche Subgruppen besonders von entstigmatisierenden Curricula profitieren und wo Anpassungen oder ergänzende Bausteine erforderlich sind, um die Wirksamkeit weiter zu erhöhen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Speerforck, S., Sander, C., Leonhard, A., Bischof, G., Bischof, A., Rumpf, H.-J., & Schomerus, G. (2026). Alkoholabhängigkeit: Stigmatisierungspotenzial und Behandlungsbereitschaft bei Medizinstudierenden an zwei deutschen Universitäten. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3060