Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Ketamin: Steigende Nachweise, versteckte Gefahren – Was die Daten verraten

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Heiko Bergmann (IFT Institut für Therapieforschung)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Ketamin ist ein Medikament. Es wird in der Medizin benutzt. Aber manche Menschen nehmen Ketamin als Droge. In Deutschland ist das noch nicht so oft der Fall. Aber es wird immer mehr genutzt. Ketamin kann der Gesundheit schaden. Die Probleme merkt man oft erst nach langer Zeit. Deshalb ist es wichtig, mehr über Ketamin zu informieren. Und man muss besser vorwarnen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Frühwarnsysteme zu potenziell gesundheitsgefährdenden Entwicklungen im Bereich Substanzkonsum bedürfen eines umfassenden Blicks auf verschiedenste Substanzen. Wenngleich es Anzeichen für eine steigende Bedeutung von synthetischen Opioiden gibt, dürfen andere Entwicklungen nicht aus dem Blick geraten.

Dieser Beitrag beleuchtet die neuesten Erkenntnisse aus dem NEWS-Projekt zu Ketamin: Seit Jahren steigt dessen Anzahl an Sicherstellungen in Europa und in Deutschland [1] an – in einem Maß, der den Bedarf von Ketamin für medizinische Zwecke deutlich zu übersteigen scheint. Zwischen 2023 und 2024 stieg zudem die Gesamtmenge an Ketamin im Abwasser laut Daten der Europäischen Drogenagentur (EUDA) um fast 41 % [2].

Methoden
NEWS erhebt und sammelt kontinuierlich Daten aus einer Vielzahl von qualitativen wie quantitativen Quellen, darunter Befragungen unter Expert*innen, Konsumierenden, Daten von toxikologischen Laboren, Abwasseranalysen, Internetforen, Suchthilfeeinrichtungen, Giftinformationszentren sowie Daten zu drogenbedingten Todesfällen [3]. Die hierüber gewonnen Erkenntnisse werden im Vortrag gebündelt zusammengefasst.

Ergebnisse
Während der Konsum von Ketamin im Bereich des Freizeitkonsums weit verbreitet ist, legen einige der hier einbezogenen Datenquellen nahe, dass Ketamin darüber hinaus aktuell zwar noch eine untergeordnete zu spielen scheint. Gleichzeitig deuten mehrere Indikatoren auf einen Anstieg hin: So wird Ketamin vermehrt im Abwasser nachgewiesen, die Behandlungsnachfrage durch Ketamin steigt, Giftinformationszentralen registrieren mehr Anrufe, die Anzahl der Patient*innen mit ketaminbedingten Blasenstörungen steigt, die Anzahl der drogenbedingten Todesfälle im Zusammenhang mit einen (polyvalenten) Ketamin-Konsum ebenfalls.

Diskussion und Schlussfolgerung
Konsummotive sind vielfältig, gesundheitliche Folgen des (langjährigen) Ketamin-Konsums bleiben lange unbemerkt. Viele Patient*innen begeben sich aus verschiedenen Gründen verspätet in ärztliche Behandlung. Der Konsum von Ketamin gilt als vergleichsweise harmlos. Dabei gibt es deutliche Hinweise auf eine wachsende Bedeutung von Ketamin. Aufklärungs- und Präventionsmaterialien werden dringend benötigt.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Bergmann, H. (2026). Ketamin: Steigende Nachweise, versteckte Gefahren – Was die Daten verraten. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3058