Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Problematische Mediennutzung und neue Trends im Kindes- und Jugendalter: Ergebnisse der repräsentativen OTTER-Studie

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Kerstin Paschke (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Nele Schlichter (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Katharina Busch (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Hanna Wiedemann (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die Studie untersucht die problematische Nutzung von digitalen Spielen, sozialen Netzwerken und Online-Video-Angeboten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Im Vergleich zu 2019 zeigt sich ein deutlicher Anstieg riskanter oder krankhafter Nutzungsmuster. Aktuell ist etwa ein Drittel hiervon betroffen. Problematisches Video-Streaming ist im letzten Jahr zunehmend. Auch KI-Chatbots werden häufig genutzt und können starke emotionale Bindungen fördern, vor allem bei psychisch belasteten jungen Menschen. Die Ergebnisse zeigen den Bedarf an Prävention, Unterstützung und politischen Maßnahmen für ein gesundes Aufwachsen in der digitalen Welt.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Digitale-Medien-Nutzungsstörungen (DMNS) beschreiben die problematische Nutzung von digitalen Angeboten wie Spielen, sozialen Netzwerken, Online-Video- und Shopping-Angebote. Ihre Entstehung wird durch nutzungsbindende Design-Mechanismen begünstigt und beginnt häufig im Kindes- und Jugendalter. Hier können sie langfristige negative Auswirkungen auf die Entwicklung und Teilhabe der jungen Menschen haben. Das Angebot ist dabei sehr dynamisch. So werden neue potenzielle Risiken für die Kinder- und Jugendgesundheit im Zusammenhang mit der Nutzung kommerzieller KI-Chatbots beobachtet.

Methoden
Seit 2019 führt das UKE im Auftrag der DAK-Gesundheit jährlich Untersuchungen zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland durch. Neben ICD-11-basierten Prävalenzschätzungen von DMNS und deren Entwicklung über die Zeit werden Risiko- und Resilienzfaktoren sowie neue Trends aus Eltern- und Kind-Perspektive erfasst. Hierfür wurde eine repräsentative Stichprobe von ca. 1000 Eltern-Kind-Dyaden mittels standardisierter Fragebögen untersucht. Prävalenzen wurden mittels relativer Häufigkeiten berichtet und mit den Vorwellen mittels chi2-Tests verglichen. KI-Chatbot-Bindungsverhalten wurde unter Berücksichtigung psychischer Belastungsfaktoren deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse
Prävalenzen von DMNS im Kindes- und Jugendalter sind weiterhin hoch. Insgesamt sind 1/3 der Kinder und Jugendlichen von riskanten oder pathologischen Nutzungsmustern betroffen. Dies ist eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 2019. Auffällig ist zudem eine Zunahme von problematischem Video-Streaming gegenüber dem Vorjahr. KI-Chatbots sind weit verbreitet und können mit deutlichem Bindungserleben assoziiert sein, verstärkt bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Belastungen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die aktuelle Erhebung verdeutlicht die Bedeutsamkeit langfristiger Entwicklungen von Mediennutzungsverhalten bei jungen Menschen und die Dynamik zugrunde liegender Prozesse. Hieraus lassen sich Impulse für Prävention, Versorgungsnotwendigkeiten und politische Maßnahmen ableiten, um ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt zu fördern.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Paschke, K., Schlichter, N., Busch, K., & Wiedemann, H. (2026). Problematische Mediennutzung und neue Trends im Kindes- und Jugendalter: Ergebnisse der repräsentativen OTTER-Studie. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3051