Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Methodische und regulatorische Herausforderungen einer experimentellen Studie zu Cannabis und Fahrtüchtigkeit

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Maik Spreer (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Technische Universität Dresden), Karl-Felix Schulz (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Technische Universität Dresden), Arvid Pietsch (Medizinische Fakultät, Technische Universität Dresden), Martina Gaiba (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Technische Universität Dresden), Michael N. Smolka (Medizinische Fakultät, Technische Universität Dresden)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Cannabiskonsum kann wichtige Fähigkeiten beeinträchtigen, die beim Autofahren benötigt werden. Gleichzeitig ist bisher nicht eindeutig geklärt, wie gut sich eine solche Beeinträchtigung allein anhand der THC-Konzentration im Blut einschätzen lässt.
In der THCdriver-Studie werden deshalb verschiedene Untersuchungen miteinander kombiniert. Dazu gehören Blutuntersuchungen, Tests der Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit sowie Fahrversuche im Fahrsimulator und auf einer Teststrecke. Zusätzlich wird erfasst, wie die Teilnehmer ihre eigene Fahrtüchtigkeit einschätzen.
Der Beitrag erklärt, warum eine solche Studie methodisch aufwendig ist und welche medizinischen, ethischen und rechtlichen Anforderungen bei einer kontrollierten Cannabisgabe und bei Fahrversuchen unter THC-Einfluss beachtet werden müssen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Kontrollierte experimentelle Studien zeigen, dass akuter Cannabiskonsum verkehrsrelevante kognitive und fahrpraktische Leistungen beeinträchtigen kann. Deutlich weniger eindeutig ist jedoch der Zusammenhang zwischen der gemessenen THC-Konzentration im Blut und dem Ausmaß der individuellen funktionellen Beeinträchtigung. Dieser Zusammenhang ist für konzentrationsbasierte Regelungen im Straßenverkehr von besonderer Bedeutung. Bisherige experimentelle Untersuchungen erlauben eine präzise Erfassung einzelner verkehrsrelevanter Funktionen, bilden komplexe fahrpraktische Anforderungen jedoch nur teilweise ab. Zugleich erschweren interindividuelle Unterschiede in Pharmakokinetik und Toleranz die Zuordnung einer gemessenen THC-Konzentration zu einer konkreten Leistungsbeeinträchtigung. Die THCdriver-Studie wurde entwickelt, um diese unterschiedlichen Untersuchungsebenen innerhalb eines gemeinsamen experimentellen Ansatzes zusammenzuführen.

Methoden
Nach kontrollierter inhalativer Exposition mit THC-haltigem beziehungsweise THC-freiem Cannabis werden wiederholte THC- und Metabolitenbestimmungen mit drei unterschiedlichen Ebenen der Leistungsbeurteilung verknüpft: standardisierter kognitiver Diagnostik, Fahraufgaben im Simulator und realen Fahrversuchen auf einer Teststrecke. Zusätzlich wird die subjektive Einschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit erfasst. Die Untersuchungen erfolgen in enger zeitlicher Zuordnung, sodass Pharmakokinetik und funktionelle Leistungsmaße innerhalb desselben experimentellen Verlaufs betrachtet werden können.
Die kontrollierte Cannabisgabe und die Durchführung von Fahrversuchen unter THC-Exposition stellen zugleich besondere medizinische, ethische und regulatorische Anforderungen. Diese betreffen die Sicherheit der Teilnehmer ebenso wie die rechtlichen Voraussetzungen der Cannabisgabe zu Forschungszwecken sowie Beschaffung, Lagerung und Dokumentation nach den Vorgaben des MedCanG.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die zentrale methodische Herausforderung der Cannabis-Fahrforschung besteht nicht mehr darin, akute THC-bedingte Leistungseffekte nachzuweisen. Entscheidend ist vielmehr, in welchem Verhältnis gemessene THC-Konzentrationen, Veränderungen einzelner kognitiver Funktionen und fahrpraktische Leistungsfähigkeit zueinander stehen. Die gemeinsame Betrachtung dieser Ebenen kann dazu beitragen, Möglichkeiten und Grenzen der funktionellen Interpretation von THC-Konzentrationen besser einzuordnen. Der Beitrag stellt die wissenschaftlichen Überlegungen hinter dem THCdriver-Design sowie die damit verbundenen methodischen und regulatorischen Herausforderungen vor. Ergebnisse der THCdriver-Studie werden nicht berichtet.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten. Diesem Bericht liegen Teile des im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, vertreten durch die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen, unter FE 82.0843/2024 laufenden Forschungsprojektes zugrunde. Die Verantwortung für den Inhalt liegt allein beim Autor.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Spreer, M., Schulz, K.-F., Pietsch, A., Gaiba, M., & Smolka, M. N. (2026). Methodische und regulatorische Herausforderungen einer experimentellen Studie zu Cannabis und Fahrtüchtigkeit. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3048