Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse der Wirkungen und unerwünschten Ereignisse von Cannabidiol beim Menschen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Cannabidiol (CBD) wird häufig als natürliches Heilmittel beworben, doch wissenschaftlich ist seine Wirkung außerhalb der Epilepsie unklar. In dieser Arbeit wurden 118 randomisierte Studien systematisch ausgewertet, mit Schwerpunkt auf Substanzmissbrauch, Angst, Depression und Psychose. CBD zeigte keine relevante Wirkung bei Substanzmissbrauch und Depression, jedoch einen kleinen positiven Effekt bei Angst und Psychose. Gleichzeitig traten unter CBD häufiger Nebenwirkungen auf als unter Placebo, einschließlich schwerer Ereignisse. Insgesamt ist CBD zwar gut verträglich, aber kein Allheilmittel: Eine Anwendung außerhalb zugelassener Indikationen sollte sorgfältig abgewogen werden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Cannabidiol (CBD) wird zunehmend für ein breites Spektrum klinischer Indikationen eingesetzt; das Sicherheitsprofil und die Datenlage zur Wirksamkeit jenseits der Epilepsie bleiben jedoch unzureichend belegt[1]. Ziel der vorliegenden Arbeit ist welche Wirksamkeit und welches Sicherheitsprofil Cannabidiol bei klinischen Populationen tatsächlich aufweist.
Methoden
Die Studie wurde gemäß PRISMA [3] Empfehlungen durchgeführt und wurde prospektiv in PROSPERO angemeldet (CRD420251027887). [4] Eingeschlossen wurden RCT’s mit einem Stichtag zum 31.03.2025. Die Qualität der Evidenz wurde mittels GRADE bewertet. Die quantitative Analyse wurde mittels R Verzerrungsrisiko wurde mit RoB-2 [5] bewertet, die Evidenzqualität nach GRADE [6]. Outcomes wurden mittels Random-Effects-Modells unter Anwendung des REML-Schätzers gepoolt. [7]
Ergebnisse
Aus 6135 identifizierten Records wurden nach Entfernung von 4095 Duplikaten 2040 gescreent; letztlich gingen 306 Berichte zu 118 RCTs in die Synthese ein. Für Substanzmissbrauch (12 Studien, n = 430) zeigte sich ein vernachlässigbarer Effekt (SMD = ?0,100; 95 %-KI ?0,313 bis 0,112; p = 0,3212; I² = 0 %). Für Angstsymptome (42 Studien, n = 2145) ergab sich ein kleiner, signifikanter Effekt (SMD = ?0,169; 95 %-KI ?0,279 bis ?0,058; p = 0,004; I² = 29 %). Für depressive Symptome (22 Studien, n = 1226) zeigte sich ein vernachlässigbarer Effekt (SMD = ?0,107; 95 %-KI ?0,258 bis 0,043; p = 0,1529; I² = 28 %). Für Psychose (9 Studien, n = 412) zeigte sich ein kleiner, signifikanter Effekt (SMD = ?0,240; 95 %-KI ?0,335 bis ?0,145; p = 0,0004; I² = 0 %) Es wurden signifikante OR für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (21 Studien, n = 1734; OR 1,79; 95 %-KI 1,17 bis 2,72) und nicht-schwerwiegende Ereignisse (18 Studien, n = 1804; OR 1,45; 95 %-KI 1,10 bis 1,91) aufgedeckt.
Diskussion und Schlussfolgerung
CBD zeigt keine relevante Wirkung auf Sucht oder depressive Symptome. Trotz günstigem Verträglichkeitsprofil ist das Risiko unerwünschter Ereignisse erhöht. Eine unkritische Anwendung ist daher nicht rechtzufertigen
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.