Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Ergebnisse des Abwasserbasierten Begleitmonitorings im Rahmen der Einführung des Cannabisgesetzes in Deutschland.

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Björn Helm (Institut für Siedlungs- und Industriewasserwirtschaft, TU Dresden), Reinhard Oertel (Institut für Klinische Pharmakologie, TU Dresden), Bertold Renner (Institut für Klinische Pharmakologie, TU Dresden)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Es wurde untersucht, wie sich der veränderte Rechtsstatus von Cannabis auf den Drogenkonsum auswirkt. Dafür wurden Drogenrückstände im Abwasser von 29 Standorten in Deutschland analysiert. Der Konsum von Cannabis ist vergleichsweise hoch. Er hat sich durch die Legalisierung bisher nicht deutlich verändert.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die Entkriminalisierung des Konsums von Cannabis stellt einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Umgang mit dieser psychoaktiven Substanz dar. Die Auswirkungen auf das Konsumverhalten sind jedoch schwer vorhersehbar. Etablierte Erhebungsmethoden zur Schätzung der Verbreitung des Konsums illegaler Substanzen unterliegen Einschränkungen und Verzerrungen. Die Abwasser-basierte Epidemiologie bietet dafür einen aussichtsreichen ergänzenden Untersuchungsansatz. Er eignet sich auch um die Auswirkung von Maßnahmen und Interventionen zu bewerten. Kanada und der US-Bundesstaat Washington nutzten den Ansatz zur Bewertung der Konsumveränderung während der Cannabis Legalisierung.

Methoden
Im Zeitraum November 2023 bis Januar 2026 wurden Abwasserproben an 29 Standorten in 19 deutschen Städten entnommen. Insgesamt wurden über 2200 Einzelproben in die Auswertung einbezogen. Cannabis wurde über THC-COOH (THC-Carbonsäure) nachgewiesen. Zusätzlich wurden die Rückstände weiterer Substanzen analysiert. Dabei kam ein Verfahren der Hochleistungschromatographie mit anschließender Tandem-Massenspektroskopie zum Einsatz. Für die Auswertung wurden Konzentrationen die in Mengen pro Person und Gesamtmengen rückgerechnet. Die Ergebnisse werden über die Mittelwerte der Einwohnerspezifischen Frachten über ANOVA-Tests verglichen. Für Standorte mit signifikanten Unterschieden der Mittelwerte erfolgt zusätzlich der Mann-Kendall-Trendtest.

Ergebnisse
Der Konsum von Cannabis war bereits vor Gesetzeseinführung relativ homogen in Deutschland verbreitet und hoch im Vergleich zu anderen europäischen Standorten ist. Im Zeitraum nach der Gesetzeseinführung bis Ende 2025 kam es zu keiner systematischen Veränderung der ermittelten Cannabis-Rückstände. An einigen Standorten kam es zu signifikanten Zu- oder Abnahmen der THC-COOH Frachten, für die meisten Standorte und im Mittel aller Standorte waren die Veränderungen jedoch nicht signifikant. Die Hochrechnung auf den deutschlandweiten Konsum ergab eine starke Überschätzung der Cannabismenge im Vergleich zum befragungs-basierten Konsumbedarf.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse zeigen ein umfassendes und regional differenziertes Bild zum Vorkommen von Konsumrückständen von Cannabis und anderen Substanzen vor und nach Einführung des Konsumcannabisgesetzes. Der Konsum ist in Deutschland vergleichsweise homogen und es kam bisher nicht zu systematischen Veränderungen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Helm, B., Oertel, R., & Renner, B. (2026). Ergebnisse des Abwasserbasierten Begleitmonitorings im Rahmen der Einführung des Cannabisgesetzes in Deutschland. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3036