Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Crack vs. (Pulver) Kokain in der ambulanten Suchthilfe. Ein praktisches Anwendungsbeispiel zu den Möglichkeiten des KDS

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Carlotta Riemerschmid (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU Klinikum, LMU Medizin, Ludwig-Maximilians-Universität München), Hanna Dauber (Institut für Therapieforschung), Eva Hoch (Institut für Therapieforschung), Larissa Schwarzkopf (Institut für Therapieforschung)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Menschen mit problematischen Kokainkonsum nehmen zunehmenden Angebote der Suchthilfe in Anspruch. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, ob die Hilfesuchenden Pulverkokain oder Crack konsumieren, da sich diese beiden Gruppen in einigen Merkmalen unterscheiden. Der Vergleich der beiden Gruppen kann dazu beitragen die Hilfsangebote besser auf ihre Bedürfnisse anzupassen. Um diese Bedürfnisse genauer zu kennen, ist es hilfreich Daten aus Suchthilfeeinrichtungen auszuwerten.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Kokaingebrauchsstörungen gewinnen in der deutschen Suchthilfe an Bedeutung, wobei die Betreuten zunehmend gut sozial integriert sind. Gleichzeitig wird aus der offenen Drogenszene und aus Drogenkonsumräumen von einem steigenden Crackkonsum berichtet. Die vorliegende Untersuchung analysiert, inwieweit sich die Profile von Hilfesuchenden mit den Hauptsubstanzen (Pulver-)Kokain und Crack in ambulanten Suchthilfeeinrichtungen unterscheiden.

Methoden
Datenbasis bilden fallbezogene Aggregatdaten der Deutschen Suchthilfestatistik (DSHS) aus dem Jahr 2024. Diese werden jährlich routinemäßig anhand der bundesweit standardisierten Vorgaben des Deutschen Kerndatensatz zur Dokumentation im Bereich der Suchthilfe (KDS 3.0) erhoben. Stratifiziert nach Hauptsubstanz werden Betreute mit (Pulver-) Kokain und Crack mittels Chi-Quadrattests anhand soziodemographischer sowie betreuungsbezogener Parameter verglichen.

Ergebnisse
Insgesamt werden deutlich mehr Betreute mit der Hauptsubstanz Kokain (n= 11,042) als mit Hauptsubstanz Crack (n= 1,233) in ambulanten Suchthilfeeinrichtungen betreut. Hinsichtlich soziodemografischer Merkmale zeigen sich ausgeprägte Unterschiede: Betreute mit Hauptsubstanz Crack sind signifikant häufiger weiblich (30 % vs. 14 %), arbeitslos (49 % vs. 28 %), und in einer prekären Wohnsituation (30 % vs. 4 %) als Betreute mit Hauptsubstanz Kokain. Darüber hinaus nehmen sie häufiger niedrigschwellige Angebote in Anspruch (31 % vs. 5 %) und weisen seltener eine positive Symptomentwicklung im Laufe der Betreuung auf als Betreute mit Hauptsubstanz Kokain (37 % vs. 61 %).

Diskussion und Schlussfolgerung
Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass Routinedaten der ambulanten Suchthilfe das Potenzial besitzen, die Profile von Betreuten mit Hauptsubstanz Kokain und Crack differenziert zu kontrastieren und substanzspezifische Bedarfslagen sichtbar zu machen. Entscheidend ist dabei eine hinreichend differenzierte Dokumentation, die eine Unterscheidung nach Substanzformen und Konsumarten ermöglicht.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Riemerschmid, C., Dauber, H., Hoch, E., & Schwarzkopf, L. (2026). Crack vs. (Pulver) Kokain in der ambulanten Suchthilfe. Ein praktisches Anwendungsbeispiel zu den Möglichkeiten des KDS. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3031