Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die Versorgung von Internetnutzungsstörungen in Deutschland
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Viele Menschen nutzen das Internet in einer problematischen oder süchtigen Weise. Ein solches Problem kann dazu führen, dass Hilfe oder Behandlung notwendig ist. Bisher nutzen nur wenige solche Hilfeangebote. Gerade auch in Einrichtungen der Suchthilfe ist dies selten. Damit Menschen nicht unbehandelt bleiben, sind Maßnahmen zur Verbesserung wichtig. Ein Weg kann es sein, Hilfen stufenweise anzubieten, also mit kurzen einfachen Angeboten starten und bei Bedarf mehr Hilfe geben. Verschiedene Wege werden diskutiert, wie Betroffene besser unterstützt werden können.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Internetnutzungsstörungen haben eine weite Verbreitung und können zu relevanten Beeinträchtigungen führen, die eine Behandlung notwendig machen. Gleichzeitig handelt es sich um einen Bereich von Störungen, der noch recht jung ist und daher oft noch keine etabliertes Behandlungsangebot zur Verfügung steht. Das Suchthilfesystem steht vor der Aufgabe entsprechende Angebote bereitzuhalten und eine breite Versorgung zu ermöglichen. Der Beitrag sichtet hierzu empirische Daten und schlägt Versorgungskonzepte vor.
Methoden
Es erfolgt eine Literaturrecherche mit besonderer Berücksichtigung von Daten aus Deutschland. Unter anderem werden hierfür die EBIPIN (Erreichbarkeit, Behandlungsmotivation und Inanspruchnahme bei problematischer Internetnutzung) und die SCAVIS (Stepped Care Ansatz zur Versorgung Internetbezogener Störungen) Studie herangezogen. Es werden Schlussfolgerungen für Versorgungskonzepte abgeleitet.
Ergebnisse
Auf Basis der Daten der EBIPIN-Studie konnte gezeigt werden, dass nur eine Minderheit der Personen mit einer Internetnutzungsstörung Hilfen in Anspruch nimmt. Insbesondere erwies sich, dass von Personen, die als behandlungsbedürftig eingestuft wurden, nur 3,7% Hilfen aus dem Bereich der Suchthilfe nutzten. Ein Teil der Erklärung hierfür liegt in einer mangelnden Problemwahrnehmung und dem Wunsch nach Autonomie sowie auch an Aspekten, die mit Stigmatisierung zusammenhängen. Die SCAVIS-Studie konnten zeigen, dass ein gestufter Ansatz der indizierten Prävention erfolgreich Symptomatik und Beeinträchtigungen reduzieren konnte, wobei verschieden aufwendige Interventionen einschließlich einer App und einer Online-Gruppentherapie genutzt wurden. Es zeigt sich insgesamt, dass die Behandlungslücke bei den Internetnutzungsstörungen ein größeres Ausmaß annimmt im Vergleich zu substanzbezogenen Störungen. Unklar ist derzeit auch noch der Stand der Qualifizierung des Personals in der Suchthilfe. Es werden Vorschläge für eine Verbesserung der Versorgung diskutiert und abgeleitet.
Diskussion und Schlussfolgerung
Derzeit erreicht das Suchthilfesystem nur wenige Personen mit Internetnutzungsstörungen. Neue Konzepte sind erforderlich um eine Behandlungslücke zu vermeiden. Dazu könnte ein Stepped-Care-Ansatz gehören.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Teile dieses Beitrages wurden vom Innovationsfonds (01NVF19031) und vom Bundesministerium für Gesundheit (ZMII2-2524DSM209) gefördert.