Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Auswirkungen der Teillegalisierung von Cannabis auf Konsum und Fahrverhalten: Ergebnisse der CannaStreet-Befragung im zweiten Jahr nach Inkrafttreten
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Cannabis ist in Deutschland teilweise legal – aber was hat das bewirkt? Unsere Studie deutet darauf hin: Der Konsum ist tendenziell etwas gestiegen – verglichen mit Österreich, wo sich nichts verändert hat. Außerdem: Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, fährt nicht öfter bekifft Auto als vor der Legalisierung.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Der Cannabiskonsum in Deutschland nimmt seit etwa 2012 kontinuierlich zu [1]. Mit Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) am 1. April 2024 wurden in Deutschland Besitz und privater Anbau geringer Mengen Cannabis für Erwachsene legalisiert. Im August 2024 trat zudem ein gesetzlicher THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml im Blutserum für das Führen von Kraftfahrzeugen in Kraft. Im Rahmen dieses Vortrags werden Ergebnisse vorgestellt, inwiefern sich diese Gesetzesänderungen auf 1) den Cannabiskonsum und 2) das Fahren unter Cannabiseinfluss (DUIC) auswirken.
Methoden
In Deutschland und Österreich (Kontrollgruppe) wurden bevölkerungsbasierte Daten über Online-Access-Panels in drei wiederholt querschnittlichen Befragungen erhoben: vor Inkrafttreten des KCanG (t0: Nov/Dez 2023) sowie zu zwei Zeitpunkten danach (t1: Nov 2024-Jan 2025; t2: Nov/Dez 2025). Veränderungen der 1) Cannabiskonsum-Prävalenz wurden auf Basis der Gesamtstichprobe (Deutschland: nt0=6.670, nt1=9.692, nt2=9.864; Österreich: nt0=2.132, nt1=2.102, nt2=2.134) analysiert, Veränderungen der 2) DUIC-Prävalenz unter Befragten mit mindestens monatlichem Cannabiskonsum (ohne rein medizinischen Gebrauch auf Rezept; Deutschland: nt0=393, nt1=589, nt2=266; Österreich: nt0=86, nt1=92, nt2=96). Beide Zielkriterien wurden mittels Difference-in-Differences-Analyse untersucht.
Ergebnisse
Erste Auswertungen deuten auf einen geringen Anstieg der Cannabiskonsum-Prävalenz in Deutschland über die drei Erhebungswellen hin, während die Prävalenz in der österreichischen Kontrollgruppe stabil bleibt. Hinsichtlich DUIC unter regelmäßig Konsumierenden lassen sich keine Hinweise auf einen Anstieg infolge der Gesetzesänderungen erkennen. Detaillierte Ergebnisse der Difference-in-Differences-Analysen werden im Vortrag präsentiert.
Diskussion und Schlussfolgerung
Insbesondere durch den Einbezug einer Kontrollgruppe leisten die Befunde einen relevanten Beitrag zur Evaluation der Cannabislegalisierung und ergänzen bestehende Monitoring-Daten zu Cannabiskonsum und Verkehrsstatistiken.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:
AS erhielt ein Vortragshonorar von der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen sowie eine Erstattung von Konferenzreisekosten durch die Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
MR erhielt Vortragshonorare von der Villa Schöpflin - Zentrum für Suchtprävention sowie Reisekostenerstattungen vom Klinikum Itzehoe - Zentrum für Psychosoziale Medizin.
UV ist als Berater für das Unternehmen Hexal AG tätig
JM war oder ist beratend für die AOK, EUDA und WHO tätig und hat für Präsentationen im Zusammenhang mit Cannabis Aufwandsentschädigungen und Reisekostenerstattungen von verschiedenen Gesundheitsorganisationen erhalten. Es bestehen keine Verbindungen zur (Cannabis-)Industrie (Aktien, Patente, Beratungstätigkeiten o.Ä.)
Literatur
[1] Hoch E, Krowartz EM, Hollweck R, Möckl J, Olderbak S: Cannabis consumption before and after partial legalization in Germany: Early trends, consumption patterns, and motives. Dtsch Arztebl Int 2025; 122: 632–7. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0161