Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Erlebte Mitsprache und Behandlungszufriedenheit in der stationären Alkoholtherapie
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Wie zufrieden Patient:innen mit ihrer Suchtbehandlung sind, ist wichtig, sowohl für ihr Wohlbefinden als auch für den Erfolg der Behandlung. In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob Patient:innen, die sich bei wichtigen Entscheidungen ihrer Alkoholtherapie einbezogen fühlten, auch zufriedener mit der Behandlung waren. Dafür befragten wir 87 Patient:innen am Ende ihres stationären Klinikaufenthalts dazu, wie stark sie bei verschiedenen Entscheidungen mitreden konnten und wie zufrieden sie insgesamt mit der Behandlung waren. Wir fanden heraus, dass Patient:innen, die das Gefühl hatten, mehr mitentscheiden zu können, zufriedener mit ihrer Behandlung waren.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Die Beteiligung von Patient:innen an Behandlungsentscheidungen gilt als ethisches Grundprinzip moderner Suchttherapie und ist Bestandteil patientenorientierter Versorgungskonzepte [1]. Die vorliegende Analyse untersucht, wie Patient:innen Mitsprache an Behandlungsentscheidungen während einer stationären Alkoholtherapie tatsächlich erleben und wie dies mit ihrer Bewertung der Behandlung zusammenhängt.
Methoden
Im Rahmen einer prospektiven Beobachtungsstudie wurden N = 87 Patient:innen am Ende ihrer stationären Alkoholentwöhnungsbehandlung mittels Fragebogen zu verschiedenen Aspekten der Behandlung befragt. Die erlebte Mitsprache wurde über fünf Items zu Therapieauswahl, Behandlungszielen, Medikamenten, Belastungserprobungen und Nachsorgeplanung erfasst (4-stufige Likert-Skala) und zu einem Mittelwertscore aggregiert (Cronbachs ? = .71). Die Behandlungszufriedenheit wurde mit einem 10-stufigen Slider erhoben. Eine multiple lineare Regression wurde mit dem Statistikprogramm R berechnet, adjustiert für Alter, Geschlecht und AUDIT-C-Score.
Ergebnisse
Die teilnehmenden Patient:innen sind im Durchschnitt 50.9 Jahre (SD=9.3) alt, 76.7% sind männlichen Geschlechts. Mitsprache- und Zufriedenheitswerte zeigten ausreichende Variabilität für die geplanten Analysen, mit leichter Linksschiefe beider Verteilungen. Erlebte Mitsprache stand in einem statistisch signifikanten positiven Zusammenhang mit der Behandlungszufriedenheit (b = 1.60, 95%-KI [0.94; 2.26], p < .001), während Alter, Geschlecht und AUDIT-C keinen substanziellen Beitrag leisteten.
Diskussion und Schlussfolgerung
Der beobachtete positive Zusammenhang zwischen erlebter Mitsprache und Behandlungszufriedenheit stimmt mit Erkenntnissen aus anderen Studien zum Patienteneinbezug überein [2], [3]. Allerdings wünschen sich nicht alle Patient:innen das gleiche Mass an Einbezug, und Erkenntnisse darüber, welches Mass und welche Art des Einbezugs optimal sind, sind nach wie vor begrenzt [4].
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.