Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Untersuchung des Potentials des dualen Orexin-Rezeptor-Antagonisten Daridorexant zur Behandlung alkoholbezogener Störungen. Studienprotokoll zur randomisierten, placebokontrollierten, klinischen Bildgebungsstudie IDREAM

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Marlen Pfisterer (Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit,)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache


  1. Alkoholbezogene Störungen sind ein großes Problem, weil sie viele Menschen betreffen und schwere gesundheitliche sowie soziale Folgen haben.

  2. In der IDREAM-Studie möchten wir herausfinden, ob das Medikament Daridorexant bei der Behandlung alkoholbezogener Störungen helfen kann.

  3. Dafür untersuchen wir, wie sich das Medikament auf Verlangen nach Alkohol, Stressreaktionen und bestimmte Prozesse im Gehirn auswirkt.

  4. Wir möchten herausfinden, ob Daridorexant das Verlangen nach Alkohol verringern und stressbezogene Reaktionen beeinflussen kann.

  5. Diese Ergebnisse können helfen, neue und wirksamere Behandlungen für Menschen mit alkoholbezogenen Störungen zu entwickeln.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Alkoholbezogene Störungen betreffen weltweit mehr als 400 Millionen Menschen und stellen einen Risikofaktor für Morbidität und Mortalität dar (1). Pharmakologische Behandlungsoptionen sind begrenzt. Duale Orexinrezeptorantagonisten (DORAs) könnten hier eine vielversprechende Ergänzung bisheriger Therapiemaßnahmen darstellen, da sie Craving und Stress reduzieren und schlaffördernde, anxiolytische und antidepressive Effekte aufweisen (2-6). Daridorexant scheint besonders geeignet, da kein bekanntes Suchtpotenzial und keine Residualwirkung am Folgetag vorbeschrieben sind (7). Präklinische Studien zeigen eine Reduktion des Alkoholkonsums und Modulationen zentraler Hirnregionen, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung von alkoholbezogenen Störungen beteiligt sind. Erste klinische Studien zur Anwendung von DORAs bei Kokainkonsumstörungen ergaben zudem Hinweise auf eine signifikante Verringerung von Suchtverlangen (8). Klinische Studien, die Effekte von DORAs bei alkoholbezogenen Störungen untersuchen, fehlen.

Methoden
Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte zweiarmige Studie untersucht die Effekte von Daridorexant auf Alkoholverlangen und zugrunde liegende neurobiologische Mechanismen. Hierzu wird ein validiertes Stress- und Alkoholexpositionsexperiment in einem Bar-Laboratorium (9) mit konsekutiver funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) als klinisch-experimentelles Paradigma zur Abschätzung der potentiellen Effekte von pharmakotherapeutischen Interventionen auf alkoholbezogene Störungen durchgeführt (10). Primär werden Effekte von Daridorexant auf stress- und alkoholreizinduziertes Alkoholverlangen sowie die Aktivität im Nucleus accumbens als Korrelat des Belohnungssystems erfasst (11). Sekundär werden Effekte auf negative Affektivität (12), Amygdala-Aktivierung, inhibitorische Kontrolle (13) und präfrontale Aktivität mittels validierter fMRT-Paradigmen untersucht.

Ergebnisse
Die Ergebnisse der IDREAM-Studie werden dazu beitragen, die Effekte von Orexinrezeptorantagonisten und dem Orexinsystem auf neurobiologischer Ebene und Verhaltensebene bei alkoholbezogenen Störungen besser zu verstehen. Basierend auf den gewonnenen Daten sollen Studienprotokolle für nachfolgende konfirmatorische Studien entwickelt werden.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die IDREAM-Studie untersucht Effekte von Daridorexant auf neurobiologische Mechanismen und klinische Symptome der Alkoholabhängigkeit. Klinische Studien zu Effekten von DORAs bei Alkoholabhängigkeit fehlen bisher. Auf den IDREAM-Studienergebnissen sollen weiterführende Studien aufbauen, die zu einer effektiveren und stärker personalisierten Behandlungspraxis der Alkoholabhängigkeit beitragen können.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:

Erklärung zur Finanzierung: Oberberg Stiftung Matthias Gottschaldt: Bewilligung über Projektförderung durch 20 000 € am 23.07.2025 erfolgt, ohne Fördernummer.

Erklärung zur Finanzierung: Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI), Mannheim, Seed Money for Research at ZI, Bewilligung über Projektförderung durch 10 000 € am 16.10.2025 erfolgt, ohne Fördernummer.

Erklärung zur Förderung: Die Studienmedikation, Daridorexant (Quviviq, Idorsia®) und Placebo, wurde von Idorsia Pharmaceuticals Ltd., Hegenheimermattweg 91, 4123 Allschwil, Schweiz, unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Pfisterer, M. (2026). Untersuchung des Potentials des dualen Orexin-Rezeptor-Antagonisten Daridorexant zur Behandlung alkoholbezogener Störungen. Studienprotokoll zur randomisierten, placebokontrollierten, klinischen Bildgebungsstudie IDREAM. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3009