Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Einflussfaktoren auf kriminelles Verhalten im Kontext von problematischen Kauf- und Shoppingverhalten

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Nora M. Laskowski (Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover), Astrid Mülller (Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover), Beate Muschalla (Abteilung für Psychotherapie und Diagnostik, Technische Universität Braunschweig), Georgios Paslakis (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Medizinische Fakultät, Campus OWL, Ruhr Universität Bochum), Ekaterini Georgiadou (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Nürnberg)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Problematisches Kaufen ist ein wichtiges Problem, weil es nicht nur zu Schulden und psychischer Belastung führen kann, sondern manchmal auch mit Gesetzesverstößen verbunden ist. In dieser Studie wollten wir herausfinden, welche psychologischen Faktoren damit zusammenhängen. Dafür befragten wir Erwachsene zu ihrem Kaufverhalten, ihrer Persönlichkeit und möglichen problematischen Handlungen. Wir fanden heraus, dass Menschen mit stärkerem problematischem Kaufverhalten häufiger von delinquentem Verhalten berichteten. Diese Ergebnisse können helfen, Risiken früher zu erkennen und Betroffene gezielter zu unterstützen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Problematisches Kauf- und Shoppingverhalten (Compulsive Buying-Shopping Disorder; CBSD) geht häufig mit erheblichen psychosozialen Belastungen und finanziellen Problemen einher. In schweren Verläufen berichten Betroffene zudem von delinquentem Verhalten wie Betrug, Diebstahl oder Täuschung zur Aufrechterhaltung des Kaufverhaltens. Die zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen sind bislang unzureichend untersucht.

Methoden
In einer anonymen Online-Querschnittsstudie wurden 209 Erwachsene mittels standardisierter Selbstbeurteilungsverfahren zu CBSD-Symptomatik, materialistischen Wertorientierungen, Selbstwert, Big-Five-Persönlichkeitsmerkmalen und Dark-Triad-Eigenschaften befragt. Zusätzlich wurde ein eigens entwickelter Fragebogen zu kaufbezogenem delinquentem Verhalten eingesetzt. Gruppenvergleiche sowie multiple lineare Regressionsanalysen wurden durchgeführt.

Ergebnisse
43 Teilnehmende überschritten den klinischen Cut-off für CBSD. Diese Gruppe zeigte signifikant höhere materialistische Wertorientierungen, geringeren Selbstwert und stärkere Ausprägungen aversiver Persönlichkeitsmerkmale. Knapp 70 % der CBSD+-Gruppe berichteten mindestens ein delinquentes Verhalten. Höhere CBSD-Symptomschwere, jüngeres Alter und geringere Extraversion erwiesen sich als signifikante Prädiktoren für eine höhere Anzahl delinquenter Verhaltensweisen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse verdeutlichen die klinische und gesellschaftliche Relevanz problematischen Kauf- und Shoppingverhaltens. Insbesondere eine stärkere Symptomatik scheint mit einem erhöhten Risiko für delinquentes Verhalten verbunden zu sein. Zukünftige Forschung sollte weitere psychologische und soziale Einflussfaktoren sowie komorbide Störungen stärker berücksichtigen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Laskowski, N. M., Mülller, A., Muschalla, B., Paslakis, G., & Georgiadou, E. (2026). Einflussfaktoren auf kriminelles Verhalten im Kontext von problematischen Kauf- und Shoppingverhalten . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3006