Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Interaktion von Gewohnheiten, zielgerichteter Kontrolle und Inhibition in Patienten mit Alkoholgebrauchsstörung
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
In dieser Studie wurde untersucht, wie Menschen mit Alkoholgebrauchsstörung Entscheidungen treffen. Dabei ging es darum, ob sie eher bewusst und zielgerichtet handeln oder stärker von Gewohnheiten beeinflusst werden. 101 Patientinnen und Patienten sowie 100 gesunde Personen bearbeiteten eine Entscheidungsaufgabe. Beide Gruppen lernten Gewohnheiten ähnlich gut. Die Patientengruppe entschied jedoch langsamer, machte mehr Fehler und handelte seltener zielgerichtet und dafür häufiger aus Gewohnheit. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Alkoholgebrauchsstörung das Zusammenspiel von bewusster Kontrolle und Gewohnheiten verändert ist.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Ätiologische Theorien von Substanzgebrauchsstörungen nehmen an, dass ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen zielgerichteten Prozessen und Gewohnheiten ein zentraler Mechanismus des Kontrollverlusts ist [1]. Allerdings ist die genaue Interaktion dieser Prozesse bisher ungeklärt und habituelle Prozesse bei Gewohnheiten waren bei Menschen bisher schwer experimentell nachweisbar [2].
Methoden
In dieser klinischen Studie haben wir Patienten mit Alkoholgebrauchsstörung (n = 101) und gesunde Kontrollprobanden (n = 100) mit einer neuen Entscheidungsaufgabe untersucht [3]. Diese Aufgabe induziert Konflikte zwischen zielgerichteten Prozessen und einer implizit gelernten Handlungssequenz als Gewohnheit. Durch eine weitere neutrale Bedingung kann die Aufgabe zusätzlich differenzieren, inwieweit die Gewohnheit selektiv inhibiert wird, wenn sie nicht hilfreich ist.
Ergebnisse
Beide Gruppen lernten die Gewohnheit gleich gut. Die klinische Stichprobe zeigte im Vergleich zur Kontrollgruppe langsamere Entscheidungen, eine höhere Fehlerrate und traf seltener zielgerichtete Entscheidungen. Unter Anwendung von komputationaler Modellierung konnten diese Effekte v.a. mit einem geringeren Einfluss von zielgerichteten Prozessen in der klinischen Stichprobe erklärt werden. Gleichzeitig zeigte sich in dieser Gruppe ein etwas stärkerer Einfluss der Gewohnheit auf die Entscheidungen sowie eine stärkere Inhibition dieser Gewohnheit, wenn sie nicht hilfreich war.
Diskussion und Schlussfolgerung
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gewichtung von zielgerichteter Kontrolle und Gewohnheiten bei Patienten mit Alkoholgebrauchsstörung unterschiedlich ausgeprägt ist. Die komputationale Modellierung deutet darauf hin, dass sowohl zielgerichtete als auch habituelle Prozesse verändert sind. Darüber hinaus könnte die stärkere Nutzung von Gewohnheiten ein kompensatorischer Mechanismus bei reduzierter zielgerichteter Kontrolle bei Alkoholgebrauchsstörung sein.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.