Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Trends in der diagnostischen Prävalenz von Substanzkonsumstörungen bei Jugendlichen: Analyse deutscher Krankenversicherungsdaten von 2013–2024

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Lisa Dandolo (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Evgenii Shvedovskii (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Christian Bachmann (Universitätsklinikum Ulm), Jakob Holstiege (Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland), Falk Hoffmann (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Yulia Golub (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

In diesem Vortrag wird vorgestellt wie oft Ärzte oder Therapeuten die Diagnose von verschiedenen Substanzkonsumstörungen bei 12- bis 17-Jährigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland in den Jahren 2013 bis 2024 jeweils vergeben haben. Dafür werden die Daten der Krankenversicherungen genutzt. Vor der Corona-Pandemie stiegen viele Diagnosen, z.B. zu Alkohol, Cannabis und anderen Substanzen. Während der Pandemie gab es jedoch weniger vergebene Diagnosen, außer bei Opioiden und Beruhigungsmitteln. Nach der Pandemie gab es dann wieder mehr Diagnosen, aber Alkohol Diagnosen sanken weiter. Es werden auch Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen berichtet.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Das Jugendalter ist eine sensible Entwicklungsphase, in der häufig erste Erfahrungen mit psychoaktiven Substanzen gemacht werden und sich Substanzkonsumstörungen (engl. Substance Use Disorders, SUD) entwickeln können. Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld, wie etwa die COVID-19-Pandemie [1], aber auch das Geschlecht der Jugendlichen können sowohl das Konsumverhalten als auch den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung beeinflussen und somit auch die Diagnoseprävalenzen von SUDs in der ambulanten Versorgung beeinflussen.

Methoden
Wir analysierten bundesweite Daten von gesetzlichen Krankenversicherungen zur Inanspruchnahme ambulanter Gesundheitsleistungen von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Dargestellt wird die Diagnoseprävalenz der verschiedenen substanzbezogenen Störungen (ICD-10-Codes: F10-F19) im Zeitverlauf von 2013 bis 2024, stratifiziert nach Geschlecht und Altersgruppe.

Ergebnisse
Vor der COVID-19 Pandemie nahmen die Diagnoseprävalenzen für Alkohol (F10), Cannabinoide (F12), Sedativa (F13), Kokain (F14) und multiplen Substanzgebrauch (F19) bei Jugendlichen in Deutschland zu, während Opioide (F11) und Tabak (F17) rückläufig waren. Während der Pandemie sanken die meisten Diagnoseprävalenzen, mit Ausnahme von starken Anstiegen bei Opioiden (F11) und Sedativa (F13). Nach der Pandemie stiegt die diagnostische Prävalenz in den meisten SUDs wieder, jedoch mit einem anhaltenden Rückgang bei Alkohol (F10). Zudem zeigten sich geschlechtsspezifischen Unterschiede: Jungen zeigten durchgehend höhere Prävalenzen für Opioide (F11) und Cannabinoide (F12), während Mädchen höhere Raten bei Tabak (F17) aufwiesen. Interessanterweise, gab es bei Alkohol (F10) und Stimulanzien bezogenen Störungen (F15) eine Veränderung der Geschlechtsunterschiede über die Zeit hinweg: während zunächst die männlichen Jugendlichen höhere Diagnoseprävalenzen hatten änderte dies sich ab dem Jahr 2021 mit nun höheren Werten bei Mädchen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Trends in der diagnostischen Prävalenz von SUDs bei Jugendlichen in Deutschland im Bereich der ambulanten Gesundheitsleistungen sind abhängig von der Substanz und dem Geschlecht. Auch der Effekt der Corona-Pandemie ist substanzabhängig und entstand vermutlich durch ein Zusammenspiel aus Änderungen im Substanzkonsum aber auch dem Zugang zur ärztlichen Versorgung und den Dokumentationspraktiken im Verlauf der Pandemie.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Dandolo, L., Shvedovskii, E., Bachmann, C., Holstiege, J., Hoffmann, F., & Golub, Y. (2026). Trends in der diagnostischen Prävalenz von Substanzkonsumstörungen bei Jugendlichen: Analyse deutscher Krankenversicherungsdaten von 2013–2024. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/3001