Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Lost in Implementation? Fallstricke praxisnaher Forschungsprojekte am Beispiel von „ASSIST“
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
In dem Beitrag werden die unterschiedliche Hürden und Barrieren bei der Implementierung von Versorgungsforschungsprojekten anhand des ASSIST-Projekts dargestellt und diskutiert.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Das vom Innovationsfond geförderte Projekt ASSIST wurde als sektorenunabhängiges, personenzentriertes Koordinationsmodell für Menschen mit riskantem Substanzkonsum oder Substanzgebrauchsstörungen entwickelt. Das Projekt soll beispielhaft genutzt werden, um Fallstricke praxisnaher Implementierungsforschung vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Evidenz, und dem Versorgungssystem zu diskutieren.
Methoden
Innerhalb des ASSIST-Projekts wurde eine randomisiert-kontrollierte Studie mit Wartekontrollgruppe mit 304 Teilnehmende in Stuttgart durchgeführt. Die Intervention umfasste ein Online-Assessment, ein Regionales Kompetenzzentrum und einen digitalen Behandlungsassistenten. Neben Patientenzufriedenheit, Empowerment und Lebensqualität wurden unter anderem auch Inanspruchnahme von Hilfsangeboten und die Implementierungstreue des Modells als Zielkriterien erfasst.
Ergebnisse
In der Zusammenschau zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede für Patientenzufriedenheit (ZUF-8), Empowerment und Lebensqualität. ASSIST-Teilnehmende nahmen jedoch häufiger neue Angebote der Suchthilfe in Anspruch (75,0 % vs. 58,9 %). Während der Projektdurchführung zeigten sich verschiedene Herausforderungen hinsichtlich der Implementierung, wie Rekrutierungs- und Trainingsbarrieren während der Covid-19-Pandemie, geringe Rekrutierungszahlen über Kooperationspartner, unvollständige Nutzung der Interventionskomponenten, geringe Beteiligung der Leistungserbringer an der digitalen Koordinationsplattform sowie Doppelförderungen von ähnlichen Projekten während des Evaluations- und Implementierungszeitraums.
Diskussion und Schlussfolgerung
Das Projekt ASSIST verdeutlicht, dass praxisnahe Versorgungsinnovation nicht allein an der fachlichen Plausibilität einer Intervention ausgerichtet werden kann. Entscheidend sind institutionelles Commitment, Passung der Arbeitsabläufe, tragfähige Schnittstellen, digitale Umsetzbarkeit, Zielgruppenorientierung und aktives Change Management. Für zukünftige Projekte scheinen verlässliche Partizipation verbundener Akteure, realistische Rekrutierungsstrategien und eine flexiblere Anpassung von Interventions- und Evaluationskomponenten, welche Implementierungsprozesse genauso berücksichtigen wie Wirksamkeitsendpunkte, für die erfolgreiche Projektumsetzung erforderlich.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.