Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Compulsive Sexual Behavior Disorder und Pornografienutzungsstörung: Klinische Charakteristika, Komorbidität und entwicklungsbezogene Aspekte im jungen Erwachsenenalter

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Klaus Wölfling (Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld, Alida Schmidt-Stiftung, Hamburg & Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Klaus Wölfling (Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld, Hamburg & Universitätsmedizin Mainz) stellt Ergebnisse vor, die zeigen, dass die Pornografienutzungsstörung mit frühem Erstkontakt, hoher psychischer Komorbidität und ausgeprägter Symptomatik verbunden ist, und untersucht klinische sowie entwicklungsbezogene Faktoren im jungen Erwachsenenalter anhand einer Versorgungsstichprobe.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Im Kontext der Compulsive Sexual Behavior Disorder (CSBD) und der Pornografienutzungsstörung besteht weiterhin Klärungsbedarf hinsichtlich klinischer Charakteristika, diagnostischer Einordnung sowie entwicklungsbezogener Risikofaktoren. Insbesondere im Jugend- und jungen Erwachsenenalter werden frühe Exposition, Verlaufsmuster und komorbide psychische Störungen als klinisch relevante Faktoren diskutiert. Ziel der Untersuchung ist die Beschreibung zentraler Symptomdimensionen sowie psychischer Komorbidität in einer klinischen Stichprobe.

Methoden
Untersucht wurde eine klinische Stichprobe von N = 30 Patienten mit problematischer Pornografienutzung im jungen bis mittleren Erwachsenenalter. Die Diagnostik erfolgte mittels Problematic Pornography Consumption Scale (PPCS-6) sowie ergänzenden Kriterien der Assessment of Internet and Computer Game Addiction – Structured Clinical Interview for ICD-11, AICA-SKI:IBS). Erfasst wurden hier insbesondere suchassoziierte Symptome.

Ergebnisse
Die klinische Stichprobe zeigt ein deutlich belastetes Muster problematischer Pornografienutzung mit zentralen Symptomen wie Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Verheimlichung und Beeinträchtigungen der Emotionsregulation. Besonders hervorzuheben ist ein früher Erstkontakt mit pornografischen Inhalten im Durchschnittsalter von 13,37 Jahren (SD = 4,91), wobei ein relevanter Anteil Konsum bereits vor dem 12. Lebensjahr berichtet. Insgesamt zeigt sich eine hohe psychische Komorbidität mit affektiven, Angst- und depressiven Störungen sowie vereinzelt Persönlichkeitsstörungen, Substanzkonsumstörungen und posttraumatischer Belastungsstörung. Auffällig sind entwicklungsbezogene Verlaufsmuster mit frühem Expositionsbeginn und Persistenz der Symptomatik im Übergang ins Erwachsenenalter („emerging adulthood“).

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse unterstreichen die klinische Relevanz der Pornografienutzungsstörung als potenzielle Ausprägung im CSBD-Spektrum mit deutlicher funktioneller Beeinträchtigung und hoher psychischer Komorbidität. Der frühe Erstkontakt stellt einen potenziell relevanten entwicklungsbezogenen Risikofaktor dar, der im Zusammenspiel mit affektregulatorischen Mechanismen die Aufrechterhaltung des problematischen Verhaltens begünstigen könnte. Dies hat Implikationen für diagnostische Einordnung, differenzielle Indikationsstellung und die Weiterentwicklung verhaltenstherapeutischer sowie digitaler Behandlungsansätze.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
[Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



Erklärung zur Finanzierung: Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld, Alida Schmidt-Stiftung, Hamburg und Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Eigenmittel aus Behandlungserlösen

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Wölfling, K. (2026). Compulsive Sexual Behavior Disorder und Pornografienutzungsstörung: Klinische Charakteristika, Komorbidität und entwicklungsbezogene Aspekte im jungen Erwachsenenalter . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2995