Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Die neue S3-Leitlinie zu Opioidbezogenen Störungen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Ingo Schäfer (Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Universität Hamburg), Markus Backmund (Ludwig-Maximilians-Universität München), Anil Batra (Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübinger Zentrum für Psychische Gesundheit, Universität Tübingen), Maurice Cabanis (Klinikum Stuttgart), Wilma Funke (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen), Ursula Havemann-Reinecke (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Göttingen), Britta Jacobsen (Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Hamburg), Falk Kiefer (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit), Nikolaus Lange (agj Freiburg Reha-Klinik), Kirsten Lehmann (Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Universität Hamburg), Ulrich W. Preuss (Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Stephan Walcher (CONCEPT Zentrum für Suchtmedizin)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die neue S3-Leitlinie zu opioidbezogenen Störungen fasst erstmals wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung von Opioidabhängigkeit im deutschsprachigen Raum zusammen. Daran waren 69 Fachleute aus verschiedenen Bereichen beteiligt. Grundlage waren umfangreiche Literaturrecherchen und Expertenbewertungen. Insgesamt wurden 92 Empfehlungen entwickelt. Die Leitlinie soll die medizinische Versorgung verbessern und Betroffenen eine evidenzbasierte Behandlung ermöglichen. Gleichzeitig zeigt sie, dass in einigen Bereichen weiterhin Forschungsbedarf besteht.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Opioidbezogene Störungen (ICD-10 F11; ICD-11 6C43) sind Erkrankungen mit erheblicher Morbidität und Mortalität und verlaufen meist chronisch-rezidivierend. Sie gehen mit komplexen Hilfebedarfen sowie ausgeprägten Einschränkungen der sozialen Teilhabe, insbesondere in den Bereichen Beruf und Familie, einher. Für Störungen durch illegale Opioide lag bislang im deutschsprachigen Raum keine evidenzbasierte Leitlinie vor.

Methoden
Gemäß dem Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften wurden durch Unterarbeitsgruppen klinische Fragestellungen (im PICO-Schema) definiert. Hierzu erfolgten systematische Literaturrecherchen und Evidenzbewertungen durch das Leitliniensekretariat. Auf dieser Grundlage wurden Empfehlungen erarbeitet und im Rahmen strukturierter Konsensusverfahren während der Leitlinienkonferenzen abgestimmt. Nach Fertigstellung wurden die Leitlinientexte den beteiligten Fachgesellschaften zur Verabschiedung vorgelegt. Insgesamt waren 69 Expert:innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und Institutionen an der Leitlinienerstellung beteiligt.

Ergebnisse
Im Rahmen der systematischen Recherche wurden 25.027 Titel und Abstracts gesichtet. Davon wurden 197 Volltexte geprüft und 44 Publikationen in die Evidenzbewertung eingeschlossen. Auf dieser Grundlage konnten für 15 klinische PICO-Fragestellungen evidenzbasierte Empfehlungen formuliert werden. Für weitere 31 Fragestellungen wurden Expert:innenkonsense erarbeitet. Insgesamt wurden 92 Empfehlungen konsentiert.

Diskussion und Schlussfolgerung
Im Rahmen des Leitlinienprozesses wurden Evidenzlücken deutlich, die auf einen weiteren Forschungsbedarf hinweisen. Die häufig hohe Einigkeit bezüglich der Empfehlungen unterstreicht die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Expert:innen. Die Leitlinie fasst erstmals im deutschsprachigen Raum systematisch die verfügbare Evidenz zu opioidbezogenen Störungen zusammen und schafft damit eine Grundlage für deren evidenzbasierte Diagnostik und Behandlung.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Die Autor:innen erklären, dass keine Interessenskonflikte bestehen. Das Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert (01VSF21015).

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Schäfer, I., Backmund, M., Batra, A., Cabanis, M., Funke, W., Havemann-Reinecke, U., … Walcher, S. (2026). Die neue S3-Leitlinie zu Opioidbezogenen Störungen . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2992