Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die neue S3-Leitlinie zu Opioidbezogenen Störungen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Die neue S3-Leitlinie zu opioidbezogenen Störungen fasst erstmals wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung von Opioidabhängigkeit im deutschsprachigen Raum zusammen. Daran waren 69 Fachleute aus verschiedenen Bereichen beteiligt. Grundlage waren umfangreiche Literaturrecherchen und Expertenbewertungen. Insgesamt wurden 92 Empfehlungen entwickelt. Die Leitlinie soll die medizinische Versorgung verbessern und Betroffenen eine evidenzbasierte Behandlung ermöglichen. Gleichzeitig zeigt sie, dass in einigen Bereichen weiterhin Forschungsbedarf besteht.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Opioidbezogene Störungen (ICD-10 F11; ICD-11 6C43) sind Erkrankungen mit erheblicher Morbidität und Mortalität und verlaufen meist chronisch-rezidivierend. Sie gehen mit komplexen Hilfebedarfen sowie ausgeprägten Einschränkungen der sozialen Teilhabe, insbesondere in den Bereichen Beruf und Familie, einher. Für Störungen durch illegale Opioide lag bislang im deutschsprachigen Raum keine evidenzbasierte Leitlinie vor.
Methoden
Gemäß dem Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften wurden durch Unterarbeitsgruppen klinische Fragestellungen (im PICO-Schema) definiert. Hierzu erfolgten systematische Literaturrecherchen und Evidenzbewertungen durch das Leitliniensekretariat. Auf dieser Grundlage wurden Empfehlungen erarbeitet und im Rahmen strukturierter Konsensusverfahren während der Leitlinienkonferenzen abgestimmt. Nach Fertigstellung wurden die Leitlinientexte den beteiligten Fachgesellschaften zur Verabschiedung vorgelegt. Insgesamt waren 69 Expert:innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und Institutionen an der Leitlinienerstellung beteiligt.
Ergebnisse
Im Rahmen der systematischen Recherche wurden 25.027 Titel und Abstracts gesichtet. Davon wurden 197 Volltexte geprüft und 44 Publikationen in die Evidenzbewertung eingeschlossen. Auf dieser Grundlage konnten für 15 klinische PICO-Fragestellungen evidenzbasierte Empfehlungen formuliert werden. Für weitere 31 Fragestellungen wurden Expert:innenkonsense erarbeitet. Insgesamt wurden 92 Empfehlungen konsentiert.
Diskussion und Schlussfolgerung
Im Rahmen des Leitlinienprozesses wurden Evidenzlücken deutlich, die auf einen weiteren Forschungsbedarf hinweisen. Die häufig hohe Einigkeit bezüglich der Empfehlungen unterstreicht die gute interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Expert:innen. Die Leitlinie fasst erstmals im deutschsprachigen Raum systematisch die verfügbare Evidenz zu opioidbezogenen Störungen zusammen und schafft damit eine Grundlage für deren evidenzbasierte Diagnostik und Behandlung.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Die Autor:innen erklären, dass keine Interessenskonflikte bestehen. Das Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert (01VSF21015).