Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Glücksspielsuchthilfe und -prävention am Beispiel des Bundeslandes Niedersachsen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Lea-Marie Gehrlein (Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Glücksspielsucht ist ein ernstes Problem, da sie zu erheblichen gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Schwierigkeiten führen kann. In diesem Beitrag wird gezeigt, wie Menschen mit Glücksspielsucht und ihre Angehörigen in Niedersachsen versorgt werden. Dafür werden Daten aus Beratungsstellen und Informationen zu Präventionsangeboten betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die bestehenden Angebote einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Problematik leisten und Zugang zu weiterführender Hilfe ermöglichen. Die Erkenntnisse können helfen, die Hilfeangebote in Zukunft weiter zu verbessern.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Glücksspiele sind für viele Menschen ein scheinbar harmloser Zeitvertreib. Entwickelt sich jedoch ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten, sind erhebliche gesundheitliche, soziale und finanzielle Folgen die Konsequenz. Ziel dieses Vortrags ist es, die Wirksamkeit der Präventions- und Beratungsangebote zur Glücksspielsucht in Niedersachsen zu analysieren.

Methoden
Seit 2008 koordiniert die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen ein landesweites Netzwerk zur Prävention und Beratung bei Glücksspielsucht und unterstützt die Glücksspielaufsicht fachlich. Grundlage der Analyse sind Routinedaten aus den ambulanten Beratungsstellen sowie Dokumentationen der Präventionsmaßnahmen. Insgesamt sind 26 spezialisierte Fachkräfte landesweit tätig. Für die Verhaltensprävention wird seit 2023 der „abgezockt!“-Glücksspielparcours in Schulen und Jugendeinrichtungen eingesetzt. Daneben werden innerhalb des Netzwerks diverse weitere Präventionsmaßnahmen umgesetzt, auch speziell für Risikogruppen wie Menschen mit Migrationshintergrund.

Ergebnisse
Zwischen 2008 und 2024 wurden über 20.000 Beratungen von Betroffenen und Angehörigen durchgeführt. Bei rund zwei Drittel der Klient*innen zeigte sich 2024 eine Verbesserung der Problematik zum Beratungsende. Über 40% der Personen mit Mehrfachkontakten wurden in ambulante oder stationäre Angebote, hauptsächlich Rehabilitationsmaßnahmen, weitervermittelt. Gleichzeitig werden bestimmte Gruppen, insbesondere Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, noch unzureichend erreicht. Den „abgezockt!“-Präventionsparcours durchliefen bisher über 4.600 junge Menschen in Niedersachsen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Glücksspielsucht ist ein Public-Health-Problem mit schwerwiegenden gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Folgen für Betroffene und ihr Umfeld. Anhand der Klient*innenstatistik der ambulanten Glücksspielsuchtberatungen sowie der Präventionsmaßnahmen in Niedersachsen wird analysiert, wie gut die Versorgung Betroffener gelingt. Die Ergebnisse zeigen, dass die bestehenden Angebote einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Problematik leisten und den Zugang zu weiterführender Hilfe ermöglichen. Die Erkenntnisse können genutzt werden, um Präventions- und Unterstützungsangebote gezielt weiterzuentwickeln.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Gehrlein, L.-M. (2026). Glücksspielsuchthilfe und -prävention am Beispiel des Bundeslandes Niedersachsen . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2990