Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Craving nach Stress: Entwicklung und Validierung des Stress Seeking Questionnaire und des Stress Addiction Inventory

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Julia Kähler (Health and Medical University), Marcus Roth (Universität Duisburg-Essen), Gabriel Olaru (Charlotte Fresenius Hochschule), Inken Höller (Health and Medical University)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Sensation Seeking suchen bewusst aufregende und in einigen Fällen stressreiche Situationen auf. Dieses Verhalten wird als Stress Seeking bezeichnet und kann in einigen Fällen einen suchtartigen Charakter bekommen. Diese neue Perspektive auf den Alltag mit Stress könnte Verhalten erklären, das Menschen dazu bringt mit viel Stress zu leben und diesem nicht entfliehen zu können.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Personen mit einem hohen Bedürfnis nach Sensation Seeking scheinen stressreiche Situationen als weniger negativ zu erleben oder sogar zu genießen. Neben anderen bekannten Sensation Seeking Verhaltensweisen ist das Erreichen des gewünschten Erregungszustandes auch durch das bewusste Aufsuchen alltäglicher Situationen mit hohem Stresspotenzial, wie enge Deadlines oder übermäßige Verpflichtungen, möglich. Diese Verhaltensweise nennt sich Stress Seeking. Wie bei anderem Verhalten kann Stress Seeking maladaptiv werden. Es wird davon ausgegangen, dass exzessives alltägliches Stress Seeking zu einer Stresssucht (Stress Addiction) führen kann, die unter „Störungen durch Verhaltenssüchte, unspezifiziert“ (GC5Z) in der ICD-11 klassifiziert werden könnte. Trotz ihrer potenziellen klinischen Relevanz sind Stress Seeking und Stress Addiction bisher nicht klar definiert und geeignete Erhebungsinstrumente fehlen.

Methoden
In einer Fokusgruppe, bestehend aus Forschenden der Klinischen Psychologie, Differentiellen Psychologie und Psychotherapeutinnen, wurden Items für den Stress Seeking Questionnaire (SSQ-G), basierend auf der Transaktionalen Theorie von Stress und Coping nach Lazarus und Folkman, sowie für das Stress Addiction Inventory (SAI-G), basierend auf den ICD-11-Kriterien für Verhaltenssüchte, abgeleitet. In einer querschnittlichen Untersuchung wurden beide Fragebögen bei N = 485 Teilnehmerinnen erhoben (nweiblich = 394, nmännlich = 87, ndivers = 4; Mage = 25,81, SDage = 11,13). Mittels des Ant Colony Optimization Algorithmus (ACO) werden aktuell die besten Items ausgewählt, um die bestmögliche Modellanpassung zu erzielen. Zusätzlich sollen psychometrische Eigenschaften wie Reliabilität und Validität evaluiert werden.

Ergebnisse
Der SSQ-G und der SAI-G wiesen nach der Itemselektion mittels ACO eine akzeptable Modellpassung sowie zufriedenstellende Reliabilität und Validität auf.

Diskussion und Schlussfolgerung
Dieser neue Ansatz betont den suchtartigen Charakter von Stress und zielt darauf ab, das Verständnis von Stress zu erweitern. Es könnte erklären, warum manche Personen Stress nicht entkommen wollen, sondern ihn aktiv und freiwillig aufsuchen und dadurch unter den negativen Folgen von chronischer Stressbelastung leiden.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Kähler, J., Roth, M., Olaru, G., & Höller, I. (2026). Craving nach Stress: Entwicklung und Validierung des Stress Seeking Questionnaire und des Stress Addiction Inventory . Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2986