Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Glücksspielbezogene Beratung: Barrieren und Entwicklungsperspektiven aus Sicht der Nutzenden

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Bianca Pitzschel (Institut für Therapieforschung (IFT); Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU Klinikum, LMU München), Nikolas Menzel (Institut für Therapieforschung (IFT)), Lilith Flagner (Institut für Therapieforschung (IFT)), Larissa Schwarzkopf (Institut für Therapieforschung (IFT); Fakultät für Angewandte Gesundheitswissenschaften, Technische Hochschule Deggendorf; Institut für Medizinische Informationsverarbeitung Biometrie und Epidemiologie (IBE), LMU München; Pettenkofer School of Public Health, München)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Barrieren der glücksspielbezogenen Hilfeinanspruchnahme sind ein wichtiges Problem, weil sie verhindern, dass Menschen mit Glücksspielproblemen sich Unterstützung holen.


In dieser Studie wollten wir herausfinden, welche Barrien Menschen mit Glücksspielproblemen in Deutschland daran hindern, sich bei einer glücksspielbezogenen Beratung zu melden.


Dafür machten wir Interviews mit Menschen mit Glücksspielproblemen, die glücksspielbezogene Beratungsangebote schon mal genutzt haben oder noch nutzten.


Wir fanden heraus, dass vor allen persönliche Barrieren es schwer gemacht haben, die Beratung zu nutzen. Beispiele für persönliche Barrieren waren: anzuerkennen, dass es Glücksspielproblem da ist (fehlende Problemakzeptanz) oder Angst, das andere schlecht über sie reden und sie ausgrenzen (Angst vor Stigmatisierung).


Diese Ergebnisse können helfen, gezielte Maßnahmen zum Abbau der Barrien zu planen und umzusetzen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Das Spektrum glücksspielbezogener Hilfsangebote ist vielfältig und umfasst auch niedrigschwellige Angebote wie die Beratung. Trotzdem nehmen Glücksspielende Hilfsangebote selten in Anspruch. Internationale Studien identifizieren strukturelle sowie innere Barrieren als Einflussfaktoren für die geringe Inanspruchnahme von Hilfe durch Glücksspielende. Bislang ist unklar, welche Barrieren im deutschen Versorgungskontext besonders relevant sind. Unsere Studie will zur Schließung dieser Lücke beitragen und Weiterwicklungspotenziale für eine bedarfsorientierte, glückspielbezogene Beratung aufzeigen.

Methoden
Die Datenerhebung erfolgte mittels semi-strukturierter Interviews mit volljährigen Nutzenden oder ehemaligen Nutzenden glücksspielbezogener Beratungsangebote. Alle Interviewten wiesen ein aktuelles oder früheres Glücksspielproblem auf. Die Teilnehmenden wurden über suchtbezogene Beratungsstellen und glücksspielbezogene Selbsthilfegruppen als Multiplikatoren zwischen August 2024 und November 2025 rekrutiert. rekrutiert. Hierbei wurden insbesondere Kontakte der Landesstelle Glücksspielsucht (LSG) in Bayern genutzt. Die Interviews adressierten unteranderem die subjektive Einschätzung der Barrieren und hilfreichen Faktoren bei der Inanspruchnahme von glücksspielbezogenen Beratungsangeboten und die Chancen zur Weiterentwicklung der glücksspielspezifischen Beratung. Zur Charakterisierung der Stichprobe wurden soziodemographische Daten sowie Informationen zur Glücksspielhistorie mit erhoben. Die Interview-Transkripte wurden inhaltsanalytisch in Anlehnung an Kuckartz mittels MAXQDA ausgewertet.

Ergebnisse
Die Interviewten (5 Männer, 1 Frau; mehrheitlich in der Altersgruppe 35-44 Jahre) berichteten vor allem innere Barrieren (fehlende Problemakzeptanz, unangenehme Gefühle, innere Konflikte, fehlendes Wissen über Hilfsangebote). Strukturelle Barrieren (wie schlechte telefonische Erreichbarkeit) wurden nur selten thematisiert, wohingegen die Rahmenbedingungen überwiegend positiv eingeschätzt wurden (zum Beispiel schnelle Terminvergabe, Flexibilität der Einrichtungen). Ein zentrales Weiterentwicklungspotenzial wird in der verbesserten Sichtbarkeit glücksspielbezogener Beratungsangebote gesehen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Auf struktureller Ebene scheinen glücksspielbezogene Beratungsangebote den Anspruch der Niedrigschwelligkeit zu erfüllen. Allerdings scheint die Inanspruchnahme von Hilfe insbesondere durch innere Barrieren erschwert zu werden. Ein intensiverer Wissenstransfer über das Krankheitsbild sowie über bestehende Hilfsangebote auf gesellschaftlicher und fachlicher Ebene könnten zur Verringerung der Barrieren beitragen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.







Erklärung zur Finanzierung: Die zugrunde liegende Studie wurde voll vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention im Rahmen der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) finanziell gefördert. Der Freistaat Bayern ist im Rahmen des staatlichen Glücksspielmonopols Anbieter von Glücksspielen über die Staatliche Lotterieverwaltung (Lotterien, Sportwetten und Spielbanken) und übt gleichzeitig die oberste Aufsicht über öffentliche und private Glücksspiele aus.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Pitzschel, B., Menzel, N., Flagner, L., & Schwarzkopf, L. (2026). Glücksspielbezogene Beratung: Barrieren und Entwicklungsperspektiven aus Sicht der Nutzenden. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2984