Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Achtsamkeit und Neuromodulation in der Behandlung von Alkoholkonsumstörung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Annika Rosenthal (Charité), Björn Apfel (Charité), Surjo Soekadar (Charité), Nina Romanczuk-Seiferth (MSB berlin), Anne Beck (Health and Medical University)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Achtsamkeitstraining kann Menschen mit Alkoholproblemen dabei helfen, Rückfälle zu vermeiden - indem es das Verlangen nach Alkohol reduziert und die Selbstkontrolle stärkt. Wir untersuchen, ob eine zusätzliche Stimulation des Vagusnervs über die Haut (ein schmerzloses, nicht-invasives Verfahren) diese Wirkung noch verstärken kann. Erste Ergebnisse sind vielversprechend: Die Kombination verbessert die Impulskontrolle und wird gut vertragen. Ziel ist es, eine alltagstaugliche, ergänzende Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit Alkoholgebrauchsstörungen zu entwickeln.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Alkoholgebrauchsstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen mit hohen Rückfallraten und begrenzter Wirksamkeit bestehender Behandlungsansätze. Achtsamkeitsbasierte Interventionen, insbesondere die Achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention (MBRP), haben sich als vielversprechende Ergänzung erwiesen. Neurobiologisch wirken sie über eine reduzierte Reaktivität auf suchtbezogene Reize sowie eine Stärkung exekutiver Kontrolle und interozeptiver Prozesse. Die transkutane Vagusnervstimulation (tVNS) stellt ein nicht-invasives Neuromodulationsverfahren dar, das ähnliche neuronale Mechanismen adressiert. Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung, ob die Kombination aus MBRP und tVNS die Behandlungswirksamkeit bei Alkoholgebrauchsstörungen verbessert.

Methoden
In einer randomisierten kontrollierten Machbarkeitsstudie erhalten Teilnehmende mit Alkoholgebrauchsstörung ein achtwöchiges MBRP-Programm in Kombination mit entweder aktiver tVNS oder Sham-Stimulation. Primäre Outcomes sind Craving, Achtsamkeit und interozeptive Regulation; sekundär werden Impulskontrolle (Go/NoGo-Task), Stresswahrnehmung und Rückfallraten erfasst.

Ergebnisse
Erste Ergebnisse zeigen nach MBRP signifikante Verbesserungen in Achtsamkeit, interozeptiver Regulation und wahrgenommenem Stress sowie eine Reduktion von Craving auf alkoholbezogene Reize. Für die tVNS-Bedingung konnte zudem eine verbesserte Impulskontrolle im Go/NoGo-Task nachgewiesen werden. Die Intervention wurde von allen Teilnehmenden gut vertragen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Befunde deuten darauf hin, dass die Kombination aus MBRP und tVNS eine wirksame und gut verträgliche Erweiterung bestehender Suchtbehandlungen darstellt. Die additive Wirkung von Neuromodulation auf Impulskontrolle und Craving legt nahe, dass multimodale Ansätze neue Perspektiven für die Rückfallprävention bei Alkoholgebrauchsstörungen eröffnen können. Ergebnisse der vollständigen Stichprobe stehen aus.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
[Bitte Nichtzutreffendes löschen bzw.ergänzen]















Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.















Alternativ:















Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Rosenthal, A., Apfel, B., Soekadar, S., Romanczuk-Seiferth, N., & Beck, A. (2026). Achtsamkeit und Neuromodulation in der Behandlung von Alkoholkonsumstörung. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2982