Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Chronischer Stress und der Pawlowsch-Instrumentelle Transfereffekt in Alkoholkonsumstörung
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Personen mit einer Alkoholkonsumstörung reagieren häufig anders auf Belohnungshinweise. Wir haben untersucht, ob Stress dabei eine Rolle spielt. Dazu haben wir 307 Menschen getestet – einige mit Alkoholkonsumstörung, andere ohne. Alle machten eine Aufgabe im MRT-Scanner. Stress haben wir auf drei Arten gemessen: durch Fragebögen und durch Haare. Das Ergebnis: Stress hatte keinen direkten Einfluss darauf, wie stark Menschen auf Belohnungs-Signale reagieren. Vielleicht zeigen sich Unterschiede aber im Gehirn, das schauen wir uns als nächstes an.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Alkoholkonsumstörung (AUD) ist mit Veränderungen motivationaler Lernprozesse verbunden, insbesondere mit einer verstärkten Wirkung Belohnungs-assoziierter Hinweisreize auf Verhalten. Der Pavlovian-to-Instrumental-Transfer-(PIT)-Effekt beschreibt den Einfluss konditionierter Reize auf instrumentelle Entscheidungen und gilt als relevanter Mechanismus suchtbezogenen Verhaltens. Chronischer Stress wird zudem als zentraler Faktor für die Entwicklung und Aufrechterhaltung von AUD diskutiert. Bislang ist jedoch unzureichend untersucht, wie chronischer Stress mit dem PIT zusammenhängt und ob sich dieser Zusammenhang zwischen Personen mit AUD und gesunden Kontrollpersonen (HC) auf behavioraler sowie neuronaler Ebene unterscheidet.
Methoden
Im Rahmen der Studie wurden 307 Teilnehmende (davon 173 mit AUD, 134 HC) eingeschlossen. Die AUD-Gruppe erfüllte mindestens zwei DSM-5-Kriterien für AUD. Chronischer Stress wurde multimodal über Haarcortisol, sowie mittels Trierer Inventar zum chronischen Stress (TICS) und Perceived Stress Scale (PSS) erfasst. Alle Teilnehmenden absolvierten ein PIT-Paradigma während funktioneller MRT-Messungen. Dabei wurde der Einfluss konditionierter Reize auf instrumentelles Verhalten untersucht.
Ergebnisse
Personen aus der AUD-Gruppe berichteten signifikant höheren wahrgenommenen Stress als HC (PSS p=.001), unterschieden sich jedoch nicht in chronischem Stress gemessen über TICS (p=.136) oder Haarcortisol (p=.661). Behaviorale Analysen zeigten einen robusten PIT-Effekt über beide Gruppen hinweg (p < .001). Weder selbstberichteter Stress (PSS-10, TICS) noch biologischer Stress (Haarcortisol) moderierten den PIT-Effekt oder den Gruppenunterschied (alle ps > .10).
Diskussion und Schlussfolgerung
Die vorliegenden behavioralen Ergebnisse sprechen gegen einen direkten Zusammenhang zwischen chronischem Stress und dem PIT-Effekt bei AUD. Da stressbezogene Prozesse möglicherweise subtilere neuronale Veränderungen widerspiegeln, könnten Unterschiede eher auf Ebene der Hirnaktivierung als im Verhalten sichtbar werden. Zukünftige Analysen der fMRT-Daten sollen daher untersuchen, ob sich Zusammenhänge zwischen chronischem Stress und neuronalen Korrelaten des PIT zeigen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
[Bitte Nichtzutreffendes löschen bzw.ergänzen]
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Alternativ:
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: