Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Epidemiologie und Delinquenz bei FASD – Daten und Implikationen für die Versorgung
Hauptsächlicher Artikelinhalt
Copyright (c) 2026 Deutscher Suchtkongress

Dieses Werk steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International.
Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Fetale Alkoholspektrumstörungen können auftreten, wenn während der Schwangerschaft Alkohol getrunken wird. Die Beeinträchtigung bleibt ein Leben bestehen und geht mit einer Vielzahl von Einschränkungen im Alltag einher. Es gibt Hinweise, dass Menschen, die mit FASD leben, häufiger mit dem Gesetz in Konflikt geraten als die Allgemeinbevölkerung. Die Studie untersuche Erwachsene mit FASD im Vergleich zu Kontrollpersonen, ob sie häufiger als diese mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren. Es zeigte sich, dass dies der Fall war. Das Justizsystem sollte für die Charakteristika von Menschen mit FASD sensibilisiert werden. Eine frühzeitige diagnostische Klärung sowie adäquate Versorgung könnten delinquenter Entwicklung möglicherweise entgegenwirken.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) können als Folge von intrauteriner Alkoholexposition auftreten und gehen mit einer Vielzahl von kognitiven, psychischen und psychosozialen Beeinträchtigungen über die gesamte Lebensspanne einher. Es gibt Hinweise, dass Menschen, die mit FASD leben, häufiger mit dem Gesetz in Konflikt geraten als die Allgemeinbevölkerung. Die Studie analysierte die Auftretenshäufigkeit von Delinquenz in einer klinischen Population von Menschen, die mit FASD leben im Vergleich zu vier Kontrollgruppen (Menschen mit Substanzkonsumstörungen, Depression, ADHS und gesunden Kontrollpersonen).
Methoden
Befragung mittels „Biographischem Screening Interview FASD (BSI-FASD)“ und strukturierten Interviews zum Verüben und Erleben von Straftaten über die Lebensspanne. Es wurde bei delinquentem Verhalten in drei Schritten differenziert (Anzeige, Anklage, Verurteilung).
Ergebnisse
Die Gesamtstichprobe umfasste N = 279 Personen, darunter 83 FASD-Betroffene, 58 mit
Substanzkonsumstörungen (SUD), 53 mit Depressionen, 20 mit ADHS und 65 gesunde
Proband*innen. 51, 8% der FASD Patient*innen waren mindestens einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten (hier: Anzeige bei der Polizei). Es zeigten sich bei FASD signifikant höhere Delinquenzraten im Vergleich zu Menschen mit ADHS (D: 30 %), Depression (D: 22,6 %) und der gesunden Kontrollgruppe (D: 9,2 %) (p <.001, Cramers Phi: .286) jedoch nicht im Vergleich zu SUD-Gruppe (D: 71 %).
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Befunde erweitern die bestehende Forschung zu FASD um Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Delinquenz im Erwachsenenalter. Einschränkungen exekutiver und sozial-kognitiver Funktionen könnten delinquentes Verhalten begünstigen. Das Justizsystem sollte für die Charakteristika von Menschen mit FASD sensibilisiert werden. Eine frühzeitige diagnostische Klärung sowie adäquate Versorgung könnten delinquenter Entwicklung möglicherweise vorbeugen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.