Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Die deutsche Version des Adverse-Childhood-Experiences-Fragebogens (ACE-D) bei Patientinnen mit Posttraumatischer Belastungsstörung und Substanzkonsumstörung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Luise Frappier (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Behrendt Malte (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Julia Ditzer (TU Dresden), Marc Giesmann (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Tolou Maslahati (Charité - Universitätsmedizin Berlin), Carla Mourkojannis (Medical School Hamburg), Heide Glaesmer (Universität Leipzig), Ingo Schäfer (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Belastende Kindheitserfahrungen sind ein wichtiges Problem, weil sie das Risiko für psychische Erkrankungen deutlich erhöhen. In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie gut die deutsche Version des Fragebogens für belastende Erfahrungen bei Patientinnen mit Traumafolgestörungen und Sucht funktioniert. Dafür analysierten wir Daten von 343 Patientinnen. Wir fanden heraus, dass der Fragebogen insgesamt mittelmäßig zuverlässig ist, zeitlich stabil bleibt und vor allem gut mit anderen Messungen zu Trauma zusammenhängt. Diese Ergebnisse können helfen, den Fragebogen in Forschung und Klinik für eine gute Traumadiagnostik einzusetzen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Belastende Kindheitserfahrungen (engl. adverse childhood experiences, ACEs) stellen einen bedeutsamen Risikofaktor für die Entwicklung und den Verlauf psychischer Erkrankungen dar. Für ihre Erfassung wird international häufig der ACE-Fragebogen eingesetzt. Bislang liegen jedoch nur begrenzte Befunde zu seinen psychometrischen Eigenschaften in klinisch stark belasteten Stichproben vor. Ziel der vorliegenden Studie war die Evaluation der deutschsprachigen Version (ACE-D) bei Patientinnen mit komorbider Posttraumatischer Belastungsstörung und Substanzkonsumstörung.

Methoden
Die Analysen basieren auf Daten einer multizentrischen Studie mit N = 343 Patientinnen aus fünf deutschen Studienzentren. Eingeschlossen wurden Frauen mit mindestens subsyndromaler PTBS und einer Substanzkonsumstörung. Zur Prüfung der psychometrischen Eigenschaften wurden die interne Konsistenz, Test-Retest-Reliabilität sowie konvergente und diskriminante Validität des ACE-D untersucht. Die Validität wurde unter anderem anhand von Zusammenhängen mit dem Childhood Trauma Questionnaire (CTQ) sowie verschiedenen Maßen zur psychischen Symptomatik überprüft.

Ergebnisse
Die interne Konsistenz des ACE-D fiel moderat aus (Cronbachs ? = .68) während die Test-Retest-Reliabilität auch über mehrere Messzeitpunkte hinweg eine hohe zeitliche Stabilität zeigte. Es ergaben sich deutliche positive Zusammenhänge mit dem CTQ, insbesondere für Items zu Misshandlung und Vernachlässigung, was die konvergente Validität unterstützt. Geringe Zusammenhänge mit depressiven, dissoziativen und weiteren psychischen Symptomen sprechen für eine ausreichende diskriminante Validität des Instruments.

Diskussion und Schlussfolgerung
Der ACE-D erweist sich als ökonomisches und insgesamt valides Instrument zur Erfassung belastender Kindheitserfahrungen auch in klinisch stark belasteten Stichproben mit komorbider PTBS und Substanzkonsumstörung. Die Ergebnisse unterstreichen seine Eignung für den Einsatz in Forschung und klinischer Praxis im Rahmen einer traumasensiblen Diagnostik bei dieser Zielgruppe.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Die Autorinnen und Autoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.







Erklärung zur Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen 01KR1203A.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Frappier, L., Malte, B., Ditzer, J., Giesmann, M., Maslahati, T., Mourkojannis, C., … Schäfer, I. (2026). Die deutsche Version des Adverse-Childhood-Experiences-Fragebogens (ACE-D) bei Patientinnen mit Posttraumatischer Belastungsstörung und Substanzkonsumstörung. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2978