Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Psychometrische Validierung von Risikoscores zur Vorhersage von Alkoholrückfällen nach Lebertransplantation bei alkoholassoziierter Lebererkrankung

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Isabelle Laskowsky (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie (UKE)), Daniel Lazuk (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie (UKE)), Martin Härter (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie (UKE)), Martina Sterneck (Medizinische Klinik und Poliklinik, Zentrum für Innere Medizin (UKE)), Angela Buchholz (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie (UKE))

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Es gibt verschiedene Prognoseinstrumente, mit deren Hilfe Psycholog:innen einschätzen, wie wahrscheinlich ein Alkoholrückfall nach einer Lebertransplantation ist. Bisher ist noch wenig über die Zuverlässigkeit der Instrumente bekannt. In unserer Studie untersuchen wir vier verbreitete Prognoseinstrumente. Dafür werteten wir die Daten von 228 Patient:innen aus, die für eine Lebertransplantation begutachtet wurden. Erste Ergebnisse zeigen: Die Prognoseinstrumente kommen zu ähnlichen Einschätzungen des Rückfallrisikos. Die Studie kann dazu beitragen, das Rückfallrisiko vor der Transplantation besser einzuschätzen und den praktischen Nutzen dieser Prognoseinstrumente zu verbessern.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Schädlicher Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen und die führende Ursache für Lebererkrankungen [1]. Bei terminaler alkoholassoziierter Lebererkrankung (ALE) stellt eine Lebertransplantation (LTX) die einzige kurative Therapie dar [2]. Alkoholrückfälle nach LTX bleiben ein klinisches Problem, mit Rückfallraten von 20-26% [3,4]. Für die psychosoziale Einschätzung des Rückfallrisikos wurden Scores zur Vorhersage von Alkoholrückfällen nach LTX entwickelt. Systematische Untersuchungen der psychometrischen Eigenschaften dieser Scores fehlen jedoch weitgehend [5]. Diese Studie untersucht die Eigenschaften von vier etablierten psychosozialen Rückfallrisikoscores vor Transplantation zur Verbesserung der Risikostratifizierung.

Methoden
In dieser retrospektiven Studie wurden klinische Routinedaten von erwachsenen Patient:innen ausgewertet, die zwischen 01/2020 und 06/2024 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf für eine LTX evaluiert wurden. Eingeschlossen wurden Patient:innen mit ALE (einschließlich hepatozellulärem Karzinom sowie Hepatitis B/C) sowie mit nicht-alkoholischer Lebererkrankung und komorbider Alkoholkonsumstörung. Untersucht wurden vier Instrumente: High-Risk Alcoholism Relapse Scale (HRAR) [6], Alcohol Relapse Risk Assessment (ARRA) [7], Hopkins Psychosocial Scale (HPSS) [8] und Sustained Alcohol Use Post-Liver Transplant-Score (SALT) [9]. Analysen umfassen deskriptive Statistiken, Interkorrelationen und Zusammenhänge mit der Transplant Evaluation Rating Scale (TERS) [10] sowie logistische Regressionsmodelle zur Vorhersage psychosozialer Einschätzung und Wartelistenaufnahme.

Ergebnisse
Von den insgesamt evaluierten N = 686 Patient:innen erfüllten n = 334 die Einschlusskriterien. Davon waren 228 Personen männlich (68,3%). Nach Ausschluss von Patient:innen ohne schädlichen Alkoholkonsum (n = 84) und mit unvollständigen Daten (n = 30) lagen für n = 221 Patient:innen vollständige Scores vor. Alle Instrumente korrelierten signifikant miteinander (p < 0,001), überwiegend moderat (r > 0,30). Geringere Zusammenhänge zeigten sich zwischen ARRA und SALT (r = 0,21) sowie HRAR (r = 0,27). HPSS wies die stärksten negativen Korrelationen auf, insbesondere mit ARRA (r = ?0,53). Ergebnisse weiterer Analysen werden auf der Konferenz berichtet.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse sprechen für eine konvergente Validität der untersuchten Scores. Prospektive, multizentrische Studien sind erforderlich, um den klinischen Nutzen zu untersuchen.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Laskowsky, I., Lazuk, D., Härter, M., Sterneck, M., & Buchholz, A. (2026). Psychometrische Validierung von Risikoscores zur Vorhersage von Alkoholrückfällen nach Lebertransplantation bei alkoholassoziierter Lebererkrankung. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2976