Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Der ACSID-11 als effizientes Screeninginstrument für internetbezogene Verhaltenssüchte: Validierung und Cut-Offs

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Silke M. Müller (Universität Duisburg-Essen), Niklas Meurer (Universität Duisburg-Essen), Hans-Jürgen Rumpf (Universität zu Lübeck), Matthias Brand (Universität Duisburg-Essen)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Die suchtartige Nutzung des Internets ist ein wachsendes Problem, weil sie schwere negative Folgen und Beeinträchtigungen im Alltag verursachen kann.


In dieser Studie wollten wir herausfinden, ob ein existierender Fragebogen (der ACSID-11), geeignet ist, um die Symptome einer suchtartigen Internetnutzung angemessen abzubilden.


Dafür analysierten wir die Antworten in dem Fragebogen von über 800 Personen. Zusätzlich nutzten wir standardisierte Interviews, um einzuschätzen, ob bei den Personen eine suchtartige Internetnutzung vorliegt oder nicht.


Wir fanden heraus, dass der ACSID-11 gut geeignet ist, um die Symptome zu erfragen. Der Fragebogen kann in wenigen Minuten ausgefüllt werden und eignet sich sowohl für die Forschung als auch für den klinischen Alltag.


Diese Ergebnisse können helfen, suchtartige Internetnutzung frühzeitig zu erkennen und den Diagnoseprozess zu verbessern.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Suchtartige Internetnutzung stellt ein wachsendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Die ICD-11 definiert diagnostische Kriterien für die Computerspielstörung, welche unter anderem die Fortführung des Verhaltens trotz des Erlebens negativer Konsequenzen beinhalten. Die Kriterien sind potentiell auf andere problematische Verhaltensweisen im Internet übertragbar. Der ACSID-11 [1] ist ein Screeninginstrument zur einheitlichen Erfassung verschiedener internetbezogener Störungen. Allerdings fehlt bislang eine klinische Validierung sowie ein empirisch geprüfter Cut-Off.

Methoden
Der ACSID-11 kam zu Beginn einer extensiven Laboruntersuchung im Rahmen der Forschungsgruppe FOR2974 zum Einsatz. Die Versuchspersonen (N=1085) wurden zu verschiedenen Typen der Internetnutzung rekrutiert (Computerspielen, Pornografienutzung, Shopping, Nutzung sozialer Netzwerke) und mittels eines standardisierten diagnostischen Interviews als pathologisch versus nicht-pathologisch klassifiziert. Die Antworten im ACSID-11 wurden mittels Item-Response-Theory (IRT) Analysen validiert. AUC und ROC-Analysen wurden zur Bestimmung eines geeigneten Cut-Off-Wertes herangezogen.

Ergebnisse
Es konnten 868 vollständige Datensätze in die IRT-Analyse inkludiert werden. Item-Characteristic-Curves deuten an, dass die Items des ACSID-11 insgesamt gut geeignet sind, um die Symptomatik internetbezogener Verhaltenssüchte adäquat abzubilden. Insbesondere bei dem Kriterium Fortführung des Verhaltens trotz negativer Konsequenzen unterscheidet sich der Informationsgehalt der Items zwischen den verschiedenen Subtypen (z.B. scheinen bei Shopping andere negative Folgen besser für die Klassifikation geeignet als bei Computerspielen). Ausgehend von der Referenzgruppe der Computerspielstörung, wird ein Cut-Off-Wert für Forschungszwecke (höhere Sensitivität) und ein höherer Cut-Off-Wert für den klinischen Einsatz (höhere Spezifität) vorgeschlagen.

Diskussion und Schlussfolgerung
Der ACSID-11 ist ein valider Selbstberichtfragebogen basierend auf ICD-11 Kriterien für Verhaltenssüchte, der für ein effizientes Screening verschiedener Arten problematischer Internetnutzung genutzt werden kann. Unterschiede zwischen verschiedenen Subtypen sollten bei der Diagnostik und Auswahl von Items beachtet werden.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.



Erklärung zur Finanzierung: Die Arbeit der Autor:innen an diesem Abstract erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, Pr.-Nr. 411232260).

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Müller, S. M., Meurer, N., Rumpf, H.-J., & Brand, M. (2026). Der ACSID-11 als effizientes Screeninginstrument für internetbezogene Verhaltenssüchte: Validierung und Cut-Offs. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2975