Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Eine Blaupause für gelungene intersektorale Zusammenarbeit: Lachgas in Frankfurt vs. Hamburg

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Mathias Luderer (Uniklinik der Goethe-Universität Frankfurt)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Immer mehr Menschen nutzen Lachgas als Droge. Das ist gefährlich. Die Städte Frankfurt und Hamburg wollten das stoppen.


Hamburg hat Lachgas für Jugendliche verboten und Infos verteilt.


Frankfurt hat ein großes Team gebildet. Zum Beispiel haben Ärzte, Polizei und die Müll-Abfuhr zusammengearbeitet.


Das Ergebnis: Der Plan von Frankfurt hat viel besser funktioniert. Dort gab es danach 26 Prozent weniger leere Lachgas-Flaschen im Müll als in Hamburg.


Das bedeutet: Wenn viele verschiedene Bereiche gut zusammenarbeiten, kann man solche Probleme viel besser lösen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Der Freizeitkonsum von Lachgas (Distickstoffmonoxid, N?O) hat in Europa und in deutschen Großstädten seit 2022 stark zugenommen [1,2,3]. Gleichzeitig gibt es bislang keine Evidenz zu wirksamen Interventionen, um den Lachgaskonsum zu reduzieren [3]. In Frankfurt am Main wurde das „Frankfurt Rapid Action Model“ (FRAM) als sektorübergreifendes Konzept entwickelt, das Akteure aus Psychiatrie, Ärztekammer, Neurologie, Suchthilfe, kommunaler Abfallwirtschaft, Ordnungsbehörden, Gesundheitsamt, Schulen, Glaubensgemeinschaften und diplomatischen Vertretungen vernetzte, parallel wurde eine Informations-Homepage aufgebaut (gamifiziert) [4]. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Evaluation dieses intersektoralen Ansatzes im Vergleich zu Hamburg als Kontrollstadt. Hamburg beschränkte sich auf frühe Verbote von Lachgasverkauf an Minderjährige verbunden mit edukativem Infomaterial.

Methoden
Im Rahmen einer quasi-experimentellen Studie wurde die Wirksamkeit von FRAM mittels eines Difference-in-Differences-Ansatzes (DiD) evaluiert. Als Surrogatparameter für den N?O-Konsum dienten standardisierte Kartuschen-Zählungen durch die kommunale Abfallwirtschaft in Frankfurt und Hamburg. Sensitivitätsanalysen unter Verwendung des prä-interventionellen Frankfurter Verlaufs wurden zur Überprüfung der Robustheit durchgeführt.

Ergebnisse
FRAM war mit einer signifikanten Reduktion der N?O-Kartuschen in Frankfurt assoziiert. Das DiD-Modell ergab eine Incidence Rate Ratio (IRR) von 0,74, entsprechend einer relativen Reduktion von 26 % im Vergleich zur Kontrollstadt Hamburg. Die Sensitivitätsanalysen bestätigten die Robustheit der Ergebnisse.

Diskussion und Schlussfolgerung
FRAM zeigt, dass Interventionen erfolgreicher verlaufen, wenn sie durch intersektorale Kooperationen unterstützt werden. Die Zusammenarbeit mit der kommunalen Abfallwirtschaft als Monitoring-Instrument und die repressive Angebotsreduktion waren wichtige Erfolgsfaktoren. Das Modell kann als Blaupause für die Reaktion auf zukünftige Herausforderungen dienen und verdeutlicht die dringende Notwendigkeit der intersektoralen Zusammenarbeit, weit über die traditionellen Grenzen Medizin vs. Suchthilfe hinaus.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Luderer, M. (2026). Eine Blaupause für gelungene intersektorale Zusammenarbeit: Lachgas in Frankfurt vs. Hamburg. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2972