Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Grenzen der Kontrolle? Ein empirischer Blick auf GHB/GBL in Prävention, Harm Reduction und Behandlung
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
GHB/GBL-Konsum ist mit erheblichen Risiken verbunden, da bereits kleine Dosierungsunterschiede zu Bewusstlosigkeit und lebensbedrohlichen Überdosierungen führen können. In einer anonymen Online-Studie wurden 2196 Personen zum Umgang mit GHB/GBL befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Konsum nicht nur einzelne Personengruppen betrifft, sondern breiter relevant ist und es unterschiedliche Gründe für den Konsum gibt. Viele Konsumierende wünschen sich mehr Aufklärung, Harm Reduction und spezialisierte Unterstützung statt vorwiegend restriktiver Maßnahmen wie Verbote. Besonders wichtig scheinen leicht verfügbare Angebote, die Lebensrealitäten und Beweggründe ernst nehmen und Prävention, Versorgung, Party-/Nachtleben und Politik gemeinsam einbeziehen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Der Konsum von Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) und ihrer Vorläufersubstanz Gamma-Butyrolacton (GBL) ist mit besonderen Risiken verbunden. Bereits geringe Dosierungsunterschiede können zwischen enthemmenden, anregenden Effekten vs. Sedierung, Bewusstlosigkeit und potenziell lebensbedrohlichen Intoxikationen entscheiden. In Verbindung mit einem ausgeprägten Abhängigkeitsrisiko und schweren Entzugssymptomen erwachsen daraus erhebliche interdisziplinäre Herausforderungen (z.B. für Versorgung, Harm Reduction, Prävention, Party-/Nachtleben und Politik), während die empirische Evidenz zum Umgang mit GHB/GBL bislang begrenzt ist.
Methoden
Es wurde eine anonyme, online-basierte Mixed-Methods-Längsschnittstudie mit zwei Erhebungszeitpunkten im Abstand eines Jahres durchgeführt. Die Rekrutierung erfolgte überwiegend im Umfeld des Berliner Party-/Nachtlebens. Eingeschlossen wurden sowohl Personen mit eigener GHB/GBL-Konsumerfahrung als auch nicht-konsumierende Peers. An der Baseline-Erhebung nahmen 2196 Erwachsene teil, 240 davon auch an der Follow-up-Erhebung.
Ergebnisse
GHB/GBL-Konsum zeigte sich zwar etwas häufiger unter homo-/bisexuellen Männern, war jedoch auch über verschiedene Geschlechter, sexuelle Orientierungen und Altersgruppen hinweg relevant. Konsummotive waren überwiegend hedonistisch geprägt, insbesondere durch das Erleben von Euphorie, Enthemmung und sexueller Stimulation. Zugleich wurden auch copingbezogene Motive wie Angstreduktion, Stimmungsverbesserung und der Umgang mit Belastungen berichtet, insbesondere von Personen mit häufigerem Konsum. Maßnahmen der Aufklärung, Harm Reduction sowie spezialisierte Unterstützungsangebote wurden sowohl von konsumierenden als auch von nicht-konsumierenden Teilnehmenden überwiegend positiv bewertet. Restriktive Ansätze wurden hingegen insbesondere von Personen mit häufigerem Konsum kritisch gesehen. Viele Teilnehmende äußerten den Wunsch, ihren GHB/GBL-Konsum zu reduzieren, vor allem aufgrund gesundheitlicher Sorgen, akuter Konsumrisiken und des Abhängigkeitspotenzials. Gleichzeitig hatten nur wenige bislang Unterstützungsangebote in Anspruch genommen. Im Follow-up zeigten sich insgesamt nur geringe Veränderungen über die Zeit.
Diskussion und Schlussfolgerung
Der Umgang mit GHB/GBL weist vielschichtige Facetten auf und erfordert interdisziplinäre, differenzierte und lebensweltnahe Maßnahmen. Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarf an niedrigschwelligen, akzeptanzorientierten und schadensmindernden Präventions- und Versorgungsansätzen. Durch die Verbindung empirischer Befunde mit aktuellen rechtlichen Entwicklungen und klinischen Erfahrungen liefert die Studie Ansatzpunkte für eine nachhaltige wissenschaftliche und praxisnahe Auseinandersetzung mit GHB/GBL.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.