Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Die Ausprägung von Steroidhormonen bei spezifischen Internetnutzungsstörungen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Studien zeigen, dass bestimmte Hormone im Zusammenhang mit Süchten stehen können. Allerdings gibt es zu wenig Forschung, um diesen Zusammenhang ganz zu verstehen.
Diese Studie untersucht, inwiefern Personen mit einem Suchtverhalten möglicherweise unterschiedliche Mengen bestimmter Hormone aufweisen als Personen ohne Suchtverhalten. Die Hormone wurden in Haarproben gemessen, wodurch langfristige Hormonspiegel abgebildet werden.
Wir fanden heraus, dass Personen mit einem stärkeren Suchtverhalten mehr Testosteron im Haar haben als Personen mit weniger stark ausgeprägtem Suchtverhalten. Die Stress-Hormone Cortisol und Cortison können ebenfalls eine Rolle bei Suchtverhalten spielen.
Diese Ergebnisse helfen uns zu verstehen, welche Faktoren dazu führen können, dass manche Personen anfälliger für Suchtverhalten sind als andere.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Steroidhormonkonzentrationen, wie beispielsweise Testosteron- oder Cortisolspiegel, zeigen Zusammenhänge mit Substanzabhängigkeiten sowie substanzungebundenen Verhaltensweisen, wie der problematischen Pornografienutzung. Theoretische Modelle im Bereich der Verhaltenssucht gehen von vergleichbaren zugrundeliegenden Mechanismen zwischen verschiedenen Abhängigkeitserkrankungen aus. Endokrinologische Korrelate sind bei Verhaltenssüchten bis dato noch unzureichend untersucht. Diese Studie prüft, inwieweit sich Personen mit unterschiedlichen Ausprägungen der Symptomschwere bestimmter Internetnutzungsstörungen (Gaming, Pornografie, Shopping, Soziale Netzwerke) in langfristig-kumulativen Hormonspiegeln, gemessen im Haar, unterscheiden.
Methoden
Im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe FOR2974 gaben 653 Proband*innen (49% weiblich) eine Haarprobe ab, welche mit LC-MS/MS-Verfahren auf den jeweils akkumulierten Gehalt in Testosteron, Cortisol, Cortison, Progesteron und DHEA der letzten drei Monate untersucht wurde. Die Teilnehmende wurden anhand eines Telefonscreenings für die Untersuchung einer der Verhaltensweisen eingeladen und auf Basis eines strukturierten diagnostischen Interviews einer von drei Symptomschwere-Gruppen zugeordnet (nicht-problematisch, riskant, pathologisch). Für die Berechnungen wurden die Teilnehmenden über alle Verhaltensweisen hinweg aggregiert. Es wurden multivariate Kovarianzanalysen zum Berechnen von Unterschieden zwischen den drei Gruppen der Symptomschwere hinsichtlich der Hormonspiegel angewandt.
Ergebnisse
Unter Berücksichtigung des Geschlechts als festen Faktor, zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den Symptomschwere-Gruppen bezüglich des Testosterongehalts. Anschließende Post-Hoc Tests zeigten, dass die Gruppe mit pathologsicher Nutzung einen signifikant höheren Testosteronwert im Haar aufwies als die Gruppe mit nicht-problematischer Nutzung. Bezüglich Cortisol und Cortison zeigten sich Interaktionseffekte zwischen der Symptomschwere und dem Geschlecht sowie der Symptomschwere und der spezifischen Online-Verhaltensweise. Männliche Teilnehmende wiesen hierbei in allen Gruppen der Symptomschwere höher Werte auf als weibliche.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass Personen mit einer starken Ausprägung von problematischen Online-Verhaltensweisen einen höheren Testosterongehalt im Haar aufweisen als Personen mit unproblematischer Nutzung. Dies deutet auf biologische Parallelen zu Substanzabhängigkeiten hin. In Abhängigkeit von Geschlecht und Verhaltensweise zeigt sich zusätzlich ein Unterschied in der Symptomschwere hinsichtlich langfrsitiger Cortisol- und Cortisonspiegel. Weitere Studien sind notwendig, um die Robustheit der gefundenen Effekte zu überprüfen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Die Arbeit der Autor:innen an diesem Abstract erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, Pr.-Nr. 411232260).