Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Wirksame Prävention von Internetnutzungsstörungen (INS) in Familien am Beispiel von freii: Evaluationsergebnisse, Praxiserfahrungen und Ausblick

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Daniel Ott (Villa Schöpflin gGmbh - Zentrum für Suchtprävention)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Ein Teil der Jugendlichen entwickelt Probleme im Umgang mit digitalen Medien. Prävention sollte deshalb früh ansetzen und sowohl Jugendliche als auch Eltern und andere Erziehende einbeziehen. Das Programm freii unterstützt Familien dabei, ihren Umgang mit digitalen Medien zu hinterfragen und neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Ergebnisse einer bundesweiten Studie zeigen Verbesserungen, zum Beispiel beim Wissen über Risiken, beim Umgang mit Medien und beim Ausmaß problematischer Nutzung. Der Vortrag gibt Einblicke in das Programm, seine Umsetzung und wichtige Erfahrungen für die Praxis.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
INS stellen insbesondere im Jugendalter eine relevante Herausforderung im Bereich der Verhaltenssüchte dar [1]. Gleichzeitig besteht ein Bedarf an niedrigschwelligen Präventionsangeboten, die Jugendliche sowie Eltern und andere Erziehende erreichen und im Alltag ansetzen.

Methoden
freii ist ein Präventionsprogramm zur Förderung eines bewussten Umgangs mit digitalen Medien in Familien. Im Zentrum steht die freii App als 21-tägiges Programm für Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren sowie für Eltern und andere Erziehende. Beide Zielgruppen bearbeiten aufeinander abgestimmte Inhalte mit Videos, Quizformaten und alltagsnahen Aufgaben, sowohl individuell als auch im Austausch innerhalb der Familie. Ziel ist es, Wissen zu Internetnutzungsstörungen zu vermitteln, die eigene Mediennutzung zu reflektieren und Schutzfaktoren wie familiäre Kommunikation und Aktivitäten außerhalb digitaler Medien zu stärken. Die Nutzung erfolgt im Alltag und kann eigenständig oder im schulischen Kontext ergänzt werden.

Ergebnisse
Die Wirksamkeit wurde in einer bundesweiten Effektstudie von 2024 bis 2025 mit Prä-Post-Design ohne Kontrollgruppe untersucht. Einbezogen wurden unter anderem 2.684 Schülerinnen und Schüler sowie 443 Eltern und andere Erziehende. Es zeigen sich in den zentralen Zielbereichen signifikante Veränderungen. Der Anteil riskanter Internetnutzung bei der Zielgruppe ging innerhalb der drei Wochen zurück (Selbsteinschätzung), gleichzeitig wurden deutliche Wissenszuwächse zu Internetnutzungsstörungen sowie zu Phänomenen wie Dark Patterns und Fear of Missing Out festgestellt. Zudem verbesserten sich Selbstreflexion, soziale Handlungskompetenz und Veränderungsmotivation, insbesondere bei Jugendlichen mit erhöhtem Risiko. Auch bei Eltern und anderen Erziehenden wurden



Wissenszuwächse und eine intensivere Auseinandersetzung mit der Mediennutzung im Familienalltag beobachtet.

Diskussion und Schlussfolgerung
Der Beitrag gibt Einblicke in die Evaluation und Umsetzung des Programms freii und zeigt, wie digitale Prävention im Alltag von Familien verankert werden kann. Im Fokus stehen zentrale Ergebnisse der Effektstudie sowie Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung. Darüber hinaus werden Herausforderungen, Grenzen des Studiendesigns und Perspektiven für die Weiterentwicklung und den Transfer in unterschiedliche Kontexte diskutiert.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Der Autor ist in der Projektleitung des Programms freii tätig. Es bestehen keine darüberhinausgehenden wirtschaftlichen Interessen.



Erklärung zur Finanzierung: Schöpflin Stiftung; Beisheim Stiftung (Förderung des Programms freii und der bundesweiten Skalierung)

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Ott, D. (2026). Wirksame Prävention von Internetnutzungsstörungen (INS) in Familien am Beispiel von freii: Evaluationsergebnisse, Praxiserfahrungen und Ausblick. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2958