Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Entwicklung und Validierung des P/N-CABS Fragebogens zur Erfassung positiver und negativer Konsequenzen von suchtartigen Verhaltensweisen
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Suchtverhalten ist ein wichtiges Problem, weil es kurzfristig positive Folgen haben kann, langfristig jedoch das Leben in vielen Bereichen verschlechtert. In dieser Studie wollten wir herausfinden, wie sich die positiven und negativen Folgen solchen Verhaltens im Alltag erfassen lassen. Dafür entwickelten wir einen Fragebogen und befragten Erwachsene zu den positiven und negativen Folgen ihrer Online-Aktivitäten wie Gaming oder Social Media. Wir fanden heraus, dass der Fragebogen dabei hilft, diese Folgen in wichtigen Lebensbereichen systematisch zu erfassen. Dadurch kann man besser verstehen, welche Vorteile und Nachteile Betroffene in Kauf nehmen. Das kann helfen, bessere Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Suchtverhalten zu entwickeln.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Suchtartige Verhaltensweisen gehen in der Regel sowohl mit positiven als auch im späteren Suchtverlauf mit negativen Folgen in verschiedenen Lebensbereichen einher. Bislang fehlt ein Instrument, das Alltagskonsequenzen süchtigen Verhaltens systematisch erfasst. Ziel der Studie ist die Entwicklung und Validierung der Positive and Negative Consequences of Addictive Behaviors Scale (PN-CABS), eines Fragebogens für Erwachsene, der positive und negative Konsequenzen in verschiedenen Lebensbereichen über einen Zeitraum von vier Wochen misst und für verschiedene suchtartige Verhaltensweisen einsetzbar ist.
Methoden
Positive und negative Konsequenzen wurden als getrennte Dimensionen konzeptualisiert und in zwei Skalen operationalisiert (P-CABS, N-CABS). Beide Skalen umfassen elf Subskalen, die zentrale Bereiche des Wohlbefindens und Funktionierens im Alltag abbilden. Die Konsequenzen wurden hinsichtlich ihrer Auftretenshäufigkeit und -intensität erfasst. Aus einem initialen Itempool wurden pro Subskala die drei psychometrisch stärksten Items ausgewählt. In zwei unabhängigen Querschnittserhebungen zu Online-Verhaltensweisen (Gaming, Pornografie, Social Media und Online-Shopping) wurde die PN-CABS anschließend validiert. In Studie 1 (N = 693) wurde die Faktorenstruktur explorativ untersucht und die theoretisch angenommene 11-faktorielle Struktur mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse überprüft. Studie 2 (N = 1.068) diente der Replikation mittels explorativer und konfirmatorischer Split-Sample-Faktorenanalysen.
Ergebnisse
In Studie 1 zeigte sich eine gute Modellpassung der 11-faktoriellen Struktur. In Studie 2 konnte diese Struktur nicht bestätigt werden. Stattdessen ergaben explorative Analysen eine reduzierte Faktorenstruktur für P-CABS mit drei Faktoren (Achievement, Physical & Emotional Well-Being, Enrichment) und N-CABS mit zwei Faktoren (No Achievement, Emotional Ill-Being). Die explorativen Befunde wurden durch konfirmatorische Analysen mit überwiegend gutem Modellfit und substanziellen Faktorladungen bestätigt.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die PN-CABS ermöglicht eine systematische und differenzierte Erfassung positiver und negativer Konsequenzen potenziell suchtartiger Verhaltensweisen über zentrale Lebensbereiche hinweg. Damit ermöglicht das Instrument ein besseres Verständnis der angestrebten und in Kauf genommenen Konsequenzen suchtartigen Verhaltens und liefert daraus neue Impulse für Prävention und Therapie.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Die Arbeit der Autor:innen an diesem Vortrag erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, 411232260).