Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Evaluation der kombinierten Nachsorge mit „coobi care": Eine multizentrische Zwei-Gruppen-Prä-Post-Studie
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Wie kann Nachsorge nach Entwöhnungstherapie mehr Leute erreichen? Viele haben Job, Familie oder keine Angebote vor Ort. Nur jeder Siebte macht mit. Und bis zu zwei Drittel werden innerhalb eines Jahres rückfällig. Wie hilft man mehr Menschen und verhindert Rückfälle? Diese Studie untersucht, ob eine kombinierte Nachsorge mit weniger Präsenzterminen, ergänzt durch eine App und ein Wearable, mindestens so gut angenommen wird wie die klassische Nachsorge. Dafür begleiten wir 300 Rehabilitand:innen aus 37 Einrichtungen über sechs Monate. Die Ergebnisse könnten – sofern sie positive Effekte zeigen – das Nachsorgeangebot erweitern und für mehr Betroffene zugänglich gemacht werden.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Nach einer Entwöhnungstherapie sind die ersten drei Monate besonders vulnerable rückfallanfällig. 24 % der Rückfälle erfolgen im ersten Monat, 15 % im zweiten Monat und 17 % im dritten Monat [1]. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit der medizinischen Rehabilitation bietet die Deutsche Rentenversicherung (DRV) bei Abhängigkeitserkrankungen eine ambulante Nachsorge an. Die DRV empfiehlt 43 % aller Rehabilitand:innen eine Nachsorge, doch nur 14 % treten die Nachsorge an [2, 3]. Zeitliche und örtliche Barrieren stellen eine zentrale Barriere dar, zumal viele Rehabilitand:innen erwerbstätig sind und minderjährige Kinder haben [4]. Digitale Ergänzungen der Nachsorge könnten dazu beitragen, diese Versorgungslücke zu schließen. Ihre Wirksamkeit im Kontext der Deutschen Rentenversicherung wurde bislang jedoch nicht systematisch untersucht [5, 6].
Methoden
In einer multizentrischen, zweiarmigen nicht-randomisierten Kontrollstudie (n = 300) werden Rehabilitand:innen mit substanzgebundener Abhängigkeit aus 37 Einrichtungen eingeschlossen. Die Zuordnung erfolgt nach Patient:innenpräferenz in kombinierte Nachsorge mit coobi care (10 + 2 Gesprächseinheiten (GE) plus App „coobi care" und Garmin Smartwatch über sechs Monate) oder die klassische Nachsorge (20 + 2 GE über sechs Monate) als Kontrollgruppe. Die quantitative Datenerfassung zu T0 (Klinik), T1 (Nachsorgebeginn) und T2 (Abschluss) erfolgt mittels Online-Fragebögen und wird durch qualitative Interviews ergänzt.
Ergebnisse
Primärer Endpunkt: Nachsorgeadhärenz (Anteil wahrgenommener GE) mit Äquivalenzgrenze von ±7 Prozentpunkten. Sekundäre Endpunkte: Rückfallquote und Zeit bis zum ersten Rückfall (Timeline-Follow-Back), sowie Fragebögen zur Selbstwirksamkeit (ASKU), zum Abstinenzzuversicht (HEISA-16), zur Arbeitsfähigkeit (WAI), zum psychischen Befinden (PHQ-9) sowie zur Gebrauchstauglichkeit (SUS) der Intervention. Die Datenerhebung läuft von November 2025 bis August 2027.
Diskussion und Schlussfolgerung
Untersucht wird, ob die kombinierte App-gestützte Nachsorge mit reduzierten Präsenz-GE eine vergleichbare Adhärenz wie die konventionelle Nachsorge erreicht. Bei Bestätigung der Ergebnisse könnten eine Einführung via cluster-randomisierten oder stepped-wedge Design mit Wirksamkeitsanalyse sowie Integration in die Regelversorgung erfolgen. Dadurch könnte das Nachsorgeangebot erweitert und mehr Rehabilitand:innen Zugang zur Nachsorge erhalten [7].
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Die Koautor:innen erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden: Koautor Julian Kruse ist Mitgründer und Anteilseigner der Stigma Health GmbH (Hersteller von „coobi care"). Weitere finanzielle oder persönliche Interessenkonflikte bestehen nicht.