Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Drug-Checking-Modellprojekte in Thüringen und Berlin: Vergleichende Evaluation und Perspektiven für ein Frühwarn- und Monitoringsystem
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Drug-Checking bedeutet, dass Menschen ihre illegalen Substanzen analysieren lassen können und anschließend eine persönliche Beratung erhalten. Untersucht wurden erstmals die beiden deutschen Drug-Checking-Projekte in Thüringen und Berlin. Viele Proben enthielten andere oder zusätzliche Wirkstoffe als erwartet. Die Angebote erreichten vor allem Menschen mit riskanten Konsummustern, darunter auch viele ohne bisherigen Kontakt zur Suchthilfe. Auffällige Analyseergebnisse gingen häufig mit Konsumverzicht oder vorsichtigerem Konsum einher. Die Ergebnisse sprechen dafür, Drug-Checking künftig stärker für Frühwarnungen und gesundheitliche Risikokommunikation zu nutzen.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
In Deutschland bestehen mit dem mobilen Thüringer Angebot seit 2021 und dem stationären Berliner Angebot seit 2023 zwei strukturell unterschiedliche Modellprojekte, die Substanzanalyse, individuelle Beratung, Harm-Reduction und Schwarzmarktmonitoring verbinden. Vorgestellt werden erstmals die zusammengeführten Evaluationsergebnisse beider Projekte zu Probenqualität, Zielgruppenerreichung und Wirkungseffekten sowie Perspektiven für ein bundesweites Frühwarn- und Monitoringsystem.
Methoden
Im Thüringer Projekt wurden Labordaten und prospektive Teilnehmendenbefragungen mit Pre-Post- und Follow-up-Erhebungen ausgewertet. Im Berliner Projekt wurde dieser Ansatz um Beratungsprotokollanalysen und leitfadengestützte Experteninterviews erweitert. In Thüringen wurden über 60 Wochen 219 Proben analysiert und 132 Personen befragt, in Berlin über 30 Wochen 1.120 Proben, 178 Personen, 599 Beratungsprotokolle und sieben Interviews. Die Auswertung umfasste deskriptive Analysen sowie inferenzstatistische Verfahren zur Untersuchung intendierter und realisierter Verhaltensänderungen.
Ergebnisse
Die Analysebefunde beider Modellprojekte zeigten substanzbezogene Qualitätsabweichungen mit Beimischungen, Falschdeklarationen und unerwarteten Wirkstoffmengen. Das mobile Thüringer Angebot erreichte im Partysetting eher jüngere und weniger konsumerfahrene Personen, das stationäre Berliner Angebot eher ältere und konsumerfahrenere Personen. Settingübergreifend nutzten überwiegend Personen mit riskanten Konsumgewohnheiten das Angebot, darunter relevante Anteile ohne Vorerfahrung im Suchthilfesystem. Auffällige Analysebefunde waren mit erhöhten Chancen für intendierten Konsumverzicht und Dosisreduktion assoziiert. Im Berliner Projekt bestanden entsprechende Zusammenhänge auch für realisierte Verhaltensänderungen, und in Pre-Post-Vergleichen ließ sich eine signifikante Zunahme von Safer-Use-Verhalten feststellen. Die Beratungsgespräche regten mehrheitlich eine kritische Konsumreflexion an, ohne Hinweise auf konsumanregende Effekte.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Evaluationen liefern die ersten zusammengeführten Daten zu Drug-Checking in Deutschland und gehören international zu den methodisch belastbarsten Evaluationsergebnissen zu Wirkungseffekten dieser Intervention. Sie zeigen, dass mobile und stationäre Angebote unterschiedliche Zielgruppen erreichen und sich als Harm-Reduction- und Monitoring-Instrumente ergänzen. Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial und die Notwendigkeit eines bundesweit koordinierten Frühwarn- und Monitoringsystems.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich erkläre, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Die Evaluation des Thüringer Drug-Checking-Modellprojekts wurde im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie durchgeführt. Die Evaluation des Berliner Drug-Checking-Modellprojekts wurde im Auftrag der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Berlin durchgeführt.