Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Auswirkungen der Teillegalisierung von Cannabis auf den Alkoholkonsum: Evidenz aus wiederholten Bevölkerungsbefragungen und Längsschnittanalysen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Senadin Radas (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Jakob Manthey (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)), Anna Schranz (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE))

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Das Paper untersucht‚ wie sich die Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland auf den Alkoholkonsum auswirkt? Dabei wird Deutschland mit Österreich verglichen‚ um politische Effekte besser zu identifizieren? Zusätzlich findet eine Beobachtung der gleichen Personen im Laufe der Zeit statt? Dadurch werden individuelle Veränderungen analysiert? Das Ziel ist es zu prüfen, ob Cannabis Alkohol ersetzt oder ob beide gemeinsam häufiger konsumiert werden? Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf‚ ob die Reform zu mehr oder zu weniger Alkoholkonsum führt‚ zudem sind sie wichtig für die Bewertung gesundheitlicher Folgen?

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die Legalisierung von Cannabis kann den Alkoholkonsum durch Substitutions- oder Komplementaritätseffekte beeinflussen. Nach der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland im April 2024 analysieren wir mögliche Effekte mithilfe (1) kurzfristiger Veränderungen des Alkoholkonsums in der Bevölkerung unter Verwendung Österreichs als externe Kontrollgruppe. Ergänzend führen wir in (2) eine Analyse intraindividueller Veränderungen in einer deutschen Längsschnittstichprobe durch.

Methoden
Es wurden wiederholt Querschnittsdaten aus Deutschland sowie aus Österreich zu drei Erhebungszeitpunkten (t0, t1, t2) analysiert. Der primäre Endpunkt ist die 12-Monats Alkoholkonsum-Prävalenz, während der sekundäre Endpunkt die Konsumfrequenz darstellt? Zur Schätzung kausaler Effekte wurden Difference-in-Differences-Modelle (DiD) verwendet? Diese wurden im Rahmen der Kontrolle soziodemografischer Variablen sowie saisonaler Effekte eingesetzt? In einer ergänzenden Analyse wurden im deutschen Panel die intraindividuellen Veränderungen des Alkoholkonsums in Abhängigkeit von dem Ausgangsstatus und den Veränderungen im Cannabiskonsum modelliert‚ um Substitutions- bzw. Komplementaritätseffekte direkt zu prüfen?

Ergebnisse
Berichtet werden DiD-Schätzer für Veränderungen der Alkoholkonsumprävalenz sowie für Verschiebungen in der Konsumfrequenz. Zusätzlich werden Unterschiede im Cannabiskonsumstatus untersucht? Die Panelanalysen messen, ob Zunahmen im Cannabiskonsum mit Abnahmen oder Zunahmen im Alkoholkonsum verknüpft sind?

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Studie bietet evidenzbasierte, politikrelevante Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Cannabislegalisierung auf den Alkoholkonsum in Deutschland.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre die folgenden wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden:

Jakob Manthey war oder ist beratend für die AOK, EUDA und WHO tätig und hat für Präsentationen im Zusammenhang mit Cannabis Aufwandsentschädigungen und Reisekostenerstattungen von verschiedenen Gesundheitsorganisationen erhalten. Es bestehen keine Verbindungen zur (Cannabis-)Industrie: keine Aktien, Patente, Beratungstätigkeiten oder ähnliches.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Radas, S., Manthey, J., & Schranz, A. (2026). Auswirkungen der Teillegalisierung von Cannabis auf den Alkoholkonsum: Evidenz aus wiederholten Bevölkerungsbefragungen und Längsschnittanalysen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2944