Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress

Psychologische Faktoren problematischer SNS-Nutzung: Die Rolle von Depressivität, Metakognitionen und Nutzungserwartungen

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Patrick Dasberg (Charlotte Fresenius Hochschule), Annika Brandtner (Universität Duisburg-Essen), Matthias Brand (Universität Duisburg-Essen), Patrick Trotzke (Charlotte Fresenius Hochschule)

Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache

Menschen mit depressiven Symptomen neigen eher dazu, soziale Medien problematisch zu nutzen. Unsere Studie zeigt, dass dabei vor allem bestimmte Gedanken eine Rolle spielen. Dazu gehören Erwartungen an die Nutzung, negative Zustände zu reduzieren, sowie die Überzeugung, die eigene Nutzung nicht gut kontrollieren zu können. Besonders Gedanken über die eigene Kontrolle sind entscheidend. Behandlungen könnten wirksamer sein, wenn sie nicht nur das Verhalten, sondern auch diese Denkmuster gezielt ansprechen.

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Die problematische Nutzung sozialer Netzwerkseiten (SNS) wird als relevantes suchtbezogenes Verhalten diskutiert, welches konsistente Zusammenhänge mit erhöhter depressiver Symptomatik zeigt (Cunningham et al., 2021). Zur Erklärung dieser Zusammenhänge rücken kognitive Faktoren wie Vermeidungserwartungen und metakognitive Überzeugungen zunehmend in den Fokus der Forschung und werden auch in etablierten Modellen wie dem I-PACE-Modell (Brand et al., 2019) als zentral für die Entstehung und Aufrechterhaltung problematischer Internetnutzung betrachtet. Gerade eine depressive Symptomatik im Sinne eines Vulnerabilitätsfaktors könnte eine maladaptive Ausprägung dieser kognitiven Faktoren begünstigen. Ziel der vorliegenden Studie ist es, diese Interaktionen zu untersuchen.

Methoden
In einer Stichprobe von 131 Teilnehmenden wurden problematische SNS-Nutzung (ACSID-11), depressive Symptomatik (PHQ-9), SNS-Vermeidungserwartungen (IUES) sowie negative metakognitive Überzeugungen (MSMUS) erfasst. Zur Analyse der zugrundeliegenden Prozesse wurden Regressionsanalysen sowie Mediationsmodelle berechnet.

Ergebnisse
Es zeigen sich Zusammenhänge zwischen der depressiven Symptomatik, den Vermeidungserwartungen und den negativen metakognitiven Überzeugungen mit der Symptomschwere der problematischen SNS-Nutzung. Die Vermeidungserwartungen und negativen Metakognitionen zeigen mediierende Effekte auf den Zusammenhang zwischen depressiver Symptomatik und der Symptomschwere der problematischen SNS-Nutzung. Insgesamt erklären die Modelle bis zu 63% Varianz, wobei negative metakognitive Überzeugungen einen größeren Anteil der Varianz der Symptomschwere erklären.

Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse weisen auf einen Zusammenhang zwischen depressiver Symptomatik und problematischer SNS-Nutzung hin und zeigen, dass dieser Zusammenhang durch kognitive Prozesse vermittelt wird. Die Ergebnisse unterstreichen die zentrale Rolle metakognitiver Prozesse bei der Aufrechterhaltung einer problematischer SNS-Nutzung. Die Befunde erweitern bestehende Modelle suchtbezogenen Verhaltens und legen nahe, dass Interventionen neben motivationalen Aspekten auch metakognitive Strategien berücksichtigen sollten.

Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Dasberg, P., Brandtner, A., Brand, M., & Trotzke, P. (2026). Psychologische Faktoren problematischer SNS-Nutzung: Die Rolle von Depressivität, Metakognitionen und Nutzungserwartungen. Deutscher Suchtkongress, 3(1). Abgerufen von https://www.journals.infinite-science.de/index.php/dsk/article/view/2931