Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Zeitliche Dynamiken von Craving im Kontext problematischer Internetnutzung
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Craving ist ein zentraler Mechanismus bei problematischer Internetnutzung. Bisherige Studien messen die Stärke von Craving zu einzelnen Zeitpunkten. Diese Studie untersucht, wie sich Craving über die Zeit verändert, also ob es stabil bleibt, schwankt oder sich sprunghaft verändert. Mit 14-Tage-Daten und 6-Monats-Nachverfolgung wird geprüft, ob diese Veränderungsmuster den Symptomverlauf erklären. Das könnte zeigen, dass nicht nur die Intensität von Craving, sondern auch die Veränderung von Craving wichtig für den Krankheitsverlauf ist.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Das I-PACE-Modell beschreibt das Erleben von Craving als wichtigen Faktor für die Aufrechterhaltung von problematischer Internetnutzung. Während bisherige Forschung primär auf die Intensität von Craving zu einzelnen Messzeitpunkten fokussiert, könnte die Erhebung der zeitlichen Dynamik dieser Prozesse eine nähere Verlaufsbetrachtung erlauben. Erste Studien zu substanzbezogenen Konsumstörungen legen nahe, dass die zeitliche Persistenz, Variabilität und Instabilität von Craving wichtige Indikatoren für Krankheitsverlauf und Therapieerfolg sind. Ob diese Dynamik-Parameter für den Verlauf problematischer Internetnutzung über einen 6-Monats-Zeitraum relevant sein könnten, soll in dieser Studie untersucht werden.
Methoden
Im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe FOR2974 (ACSID) wurden Proband:innen mit unterschiedlichen Ausprägungen (unproblematisch, riskant, pathologisch) internet-basierter Aktivitäten (Computerspielen, Kauf-Shoppingverhalten, Nutzung von Pornografie und Nutzung sozialer Netzwerke) untersucht. Hierbei wurde über 14 Tage hinweg täglich abends Craving (in Form des Erlebens von Versuchung und mentaler Elaboration) erfasst. Aus diesen wiederholten Messungen wurden neben dem Mittelwert drei Verlaufsindikatoren ermittelt: Inertia (zeitliche Persistenz), Variabilität (Amplituden von Schwankungen) und Instabilität (Ausmaß aufeinanderfolgender Veränderungen). Mittels Pfadmodellierung wurde geprüft, welche dieser Maße die Beziehung zwischen der Baseline- und der 6-Monats-Follow-Up-Symptomschwere mediieren.
Ergebnisse
Es zeigen sich differentielle Muster in den Parametern der zeitlichen Craving-Dynamiken, die mit der Symptomschwere-Progression assoziiert sind. Im Pfadmodell können spezifische Craving-Dynamiken mediierende Effekte auf die Symptomprogredienz aufweisen und somit zentrale Mechanismen des Symptomverlaufs problematischer Internetnutzung abbilden.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Ergebnisse erweitern bisherige Forschungsansätze, die sich auf statische Intensitätsmessungen konzentrieren, um eine dynamische Perspektive auf Craving-Prozesse. Eine verlaufsbasierte Betrachtung ermöglicht es, differenzierte Muster in der zeitlichen Struktur von Craving zu identifizieren, die über absolute Intensitätswerte hinausgehen und relevante Mechanismen der Symptomprogredienz bei problematischer Internetnutzung darstellen.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Ich bzw. die Koautorinnen und Koautoren erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Die Arbeit der Autor:innen an diesem Abstract erfolgte im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe zu affektiven und kognitiven Mechanismen spezifischer Internetnutzungsstörungen (FOR2974, Pr.-Nr. 411232260).