Deutscher Suchtkongress
Bd. 3 Nr. 1 (2026): Deutscher Suchtkongress
Glücksspiel und Spielerschutz in der Schweiz
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Kurzzusammenfassung in leicht verständlicher Sprache
Geldspiele sind in der Schweiz weit verbreitet. Besonders Online-Casinospiele, Geldspielautomaten und Sportwetten sind mit erhöhten Risiken verbunden. Junge Erwachsene und Männer sind überdurchschnittlich häufig von risikoreichem oder pathologischem Geldspielverhalten betroffen. Gleichzeitig steigen die Spielsperren deutlich an, besonders bei jungen Erwachsenen. Diese Entwicklungen zeigen, dass Prävention, Früherkennung und Beratung weiter gestärkt werden müssen. Wichtig sind insbesondere wirksame Schutzmassnahmen, zielgruppengerechte Präventionsangebote und ein guter Zugang zu Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
Abstract
Hintergrund und Fragestellung
Das Referat gibt einen aktuellen Überblick über das Geldspielverhalten in der Schweiz mit besonderem Fokus auf Online-Geldspiel und neuere Entwicklungen.
Methoden
Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 ist Geldspiel in der Schweiz weit verbreitet: 63,7 % der Bevölkerung haben mindestens einmal im Leben Geldspiele genutzt, 44,5 % spielten im Jahr 2022. Im Jahr 2022 zeigten 4,3 % der Bevölkerung ein exzessives Geldspielverhalten in den letzten 12 Monaten; 2017 lag dieser Anteil noch bei 3,0 %. Männer und junge Erwachsene sind davon überdurchschnittlich häufig betroffen. Besonders hohe Anteile risikoreichen bzw. pathologischen Geldspielverhaltens zeigten sich 2022 bei Schweizer Online-Casinospielen (37,6 %), internationalen Online-Anbietenden (35,2 %), Geldspielautomaten in Schweizer Casinos (23,2 %) sowie bei Sportwetten (21,6 %). Parallel dazu gewinnen Schutzmassnahmen weiter an Bedeutung. Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz 18’216 neue Spielsperren registriert, was einem Anstieg von 23 % gegenüber 2023 entspricht. Die meisten Sperren wurden von Online-Casinos ausgesprochen. Rund 40 % der Sperren erfolgten durch freiwillige Initiative, etwa 50 % aufgrund fehlender finanzieller Nachweise. Besonders ausgeprägt war der Anstieg bei jungen Erwachsenen: In der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen nahm die Zahl der gesperrten Personen gegenüber dem Vorjahr um 35 % zu.
Ergebnisse
Diese Entwicklung deutet auf eine wachsende Relevanz früher Identifikation, digitaler Schutzmassnahmen und zielgruppenspezifischer Prävention hin. Regulatorisch zeigen sich ebenfalls neuere Entwicklungen. Seit dem 7. Januar 2025 ist das Abkommen zwischen der Schweiz und Liechtenstein über den Austausch von Daten zu gesperrten Spielerinnen und Spielern in Kraft. Zudem werden die Sperrlisten für nicht bewilligte Online-Spielangebote fortlaufend aktualisiert.
Diskussion und Schlussfolgerung
Während die Entwicklung der allgemeinen Problemlast auf Bevölkerungsebene seit 2017 methodisch vorsichtig zu interpretieren ist, weisen die erhöhte Betroffenheit jüngerer Altersgruppen, die Risiken online geprägter Spielformen und die seit 2020 deutlich gestiegene Zahl neuer Spielsperren auf einen anhaltenden und in bestimmten Bereichen steigenden Handlungsbedarf in Prävention, Früherkennung und Versorgung hin.
Interessenskonflikte sowie Erklärung zur Finanzierung
Die Koautorinnen erklären, dass während der letzten 3 Jahre keine wirtschaftlichen Vorteile oder persönlichen Verbindungen bestanden, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten.
Erklärung zur Finanzierung: Die Autorinnen sind durch das interkantonale Geldspielsuchtpräventionsprogramm Spielen ohne Sucht finanziert.